Hightech und Blech

Hybrider E-Auto-Fake-Boom

E-Auto-Rekord vom Juli von fast 30 Prozent sieht wie der Durchbruch aus. Doch er ist dreifach verzerrt

Down the Drain. Fast dreißig Prozent, ein Plus von über sechzig, die Verbrenner beinahe eingeholt. Die Juli-Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts lesen sich wie der Durchbruch, auf den die Elektromobilität lange gewartet hat. 78.609 reine Stromer, 29,3 Prozent Marktanteil, während Benziner und Diesel zusammen nur noch auf gut dreißig Prozent kommen. Das letzte Drittel sind Hybride. Damit steht der E-Auto-Zulassungsrekord in einem Zerrspiegel, und er wird gleich aus drei Richtungen verbogen.

Die erste Verzerrung kommt aus der Politik. Der Markt, der hier jubelt, ist zu großen Teilen ein bestellter. Seit Januar zahlt der Staat wieder eine Kaufprämie, sozial gestaffelt, bis zu 6.000 Euro, drei Milliarden Euro für geschätzt 800.000 Fahrzeuge. Man erinnere sich, wie 2023 nach dem abrupten Ende des alten Umweltbonus der Absatz einbrach. Genau diese Abhängigkeit zeigt der aktuelle Boom in umgekehrter Richtung. Die Kurve hängt am Fördertropf, und ein Markt, der ohne Subvention zusammenklappt, ist noch kein tragfähiger Markt.

Die zweite Verzerrung kommt aus der Industrie, die den Rekord feiert, ohne ihn gebaut zu haben. Fast die Hälfte der verkauften E-Autos entfiel im Juli auf internationale Hersteller, allen voran BYD mit einem Zuwachs von 365 Prozent. Volkswagen steht mit knapp achtzehn Prozent zwar weiter vorn, doch das deutsche Premiumsegment baut preislich am Normalverdiener vorbei. Wer unter der Einkommensgrenze der Prämie liegt, findet im heimischen Angebot selten das passende Auto. Der Boom ist echt, nur ist er kein deutscher.

Die dritte Verzerrung steckt in der Statistik selbst. Das KBA führt sämtliche Mildhybride als Hybride, obwohl es sich um Verbrenner mit kleinem Elektromotor handelt. Das drückt den Anteil der Verbrenner rechnerisch nach unten und die schöne Erzählung vom fast eingeholten Verbrenner ruht zum Teil auf einer Kategorie, die die Elektrifizierung größer erscheinen lässt, als sie ist.

So bleibt uns nur der Blick in den Hinterhof. Während die Prozentzahl nach vorn stürmt, steht der Fahrer mit dem Ladekabel in der Hand zwischen dicht geparkten Autos und findet keine freie Steckdose. Die Zulassung ist das eine, der Alltag das andere. Ein Markt, der von Förderung, ausländischen Marken und einer wohlwollenden Statistik getragen wird, ist kein Selbstläufer, sondern ein sorgsam beleuchtetes Bild.
Das heißt nicht, dass der Wandel unecht wäre. Er ist real und er ist nötig. Aber wer die 29,3 Prozent als Sieg verbucht, verwechselt das Spiegelbild mit dem Gegenstand. Der eigentliche Test kommt, wenn der Fördertopf leer ist, die deutschen Modelle bezahlbar sind und im Hinterhof genug Stecker hängen.