Neun Jahre Warten auf die halbe Reichweite, halb so viele Sitze und sehr viel Dampf
Freaky Friday. Im November 2017 rollte Elon Musk am Ende der Semi-Präsentation einen roten Sportwagen auf die Bühne und versprach das Blaue vom texanischen Himmel. In 1,9 Sekunden auf 60 Meilen, rund 1.000 Kilometer Reichweite, vier Sitze, 200.000 Dollar, Auslieferung 2020. Wer damals 50.000 Dollar Anzahlung überwies, hat seither vor allem eines bekommen. Termine. 2020, 2021, 2023, 2024. Dann der 1. April 2026, ausdrücklich gewählt, damit Musk im Zweifel behaupten könne, er habe nur gescherzt. Allein in diesem Jahr verbrauchte Tesla sechs Daten. Das letzte fiel einem texanischen Unwetter zum Opfer, was bei einem Auto, das angeblich fliegen kann, eine gewisse Komik hat.
In der Nacht zu Freitag also endlich der Auftritt. Auf dem SpaceX-Testgelände bei Waco fuhr ein weißer Keil mithilfe von Gebläsen und Düsen eine überhängende Rampe hinauf, hing kopfüber wie eine Fledermaus mit Leasingvertrag und hüpfte anschließend über Cybercab, Cybertruck, Semi, Model Y und Model 3. Laut Tesla sprinte der Wagen in einer Sekunde auf 60 Meilen, das sind 96 km/h. Das ist zugegeben beeindruckend. Ein Zirkuspferd, das durch einen brennenden Reifen springt, ist allerdings auch beeindruckend, und trotzdem reitet niemand damit zum Bäcker.
Denn der viel beschworene Raketenantrieb ist keiner. Zehn Kaltgasdüsen pusten Druckluft aus einem Vorrat von 600 Litern, gespeichert in kohlefaserummantelten Druckbehältern. Die stecken nach Teslas eigenen Worten in jedem nutzbaren Hohlraum des Autos. Es ist jene Bauart, die bei SpaceX schon mehrfach an Raketenexplosionen beteiligt war. Kofferraum? Druckluft. Handschuhfach? Man ahnt es.
Und dann der Vergleich, der wirklich wehtut. Die Reichweite schrumpft auf rund 480 Kilometer, also auf gut die Hälfte dessen, was 2017 versprochen wurde. Aus vier Sitzen werden zwei, in der Topversion Rocket sogar einer. Einen Preis nennt Tesla nicht, gebaut werden soll ab 2028. Musk selbst hatte zuvor jedem, dem Sicherheit am wichtigsten sei, vom Kauf abgeraten. Man strebe immerhin an, niemanden umzubringen. Das ist kein Werbeslogan. Das ist ein Haftungsausschluss.
Hier liegt die eigentliche Pointe. Die Vaporware war das bessere Auto. Der Roadster von 2017 existierte nur als Versprechen, aber dieses Versprechen hatte 1.000 Kilometer Reichweite, Platz für die Kinder und ein Preisschild. Der reale Roadster ist ein Stunt, an den man ein Nummernschild schrauben möchte. Als Dampf war er heiß. Als Produkt ist er kalt.