Mit dem langsamsten Porsche fahren wir elektrisch ins Museum
Freaky fucking Friday. Es gibt einen neuen elektrischen Porsche, und er leistet 8 kW, fährt keine 65 km/h und keinen einzigen Meter auf öffentlichen Straßen. Der Porsche 550 J, gebaut von der britischen Manufaktur Hedley Studios, ist ein auf 80 Prozent geschrumpftes Sammlerstück für knapp 70.000 Pfund netto – offiziell kein Auto, sondern ein collector’s item, ausdrücklich nicht straßenzugelassen. Ausgerechnet in dem Moment, in dem Porsche mal wieder mit E-Antrieb Schlagzeilen macht, ist das Ergebnis ein batteriebetriebenes Möbelstück für Menschen, die das millionenschwere Original ohnehin in der Garage stehen haben.
Dass es auch anders ginge, hat dieselbe Manufaktur längst vorgeführt. Der Bentley Blower Jnr, ebenfalls ein elektrisch geschrumpfter Oldtimer, ist straßenzugelassen – als Leichtfahrzeug schafft er 72 km/h und rund 100 Kilometer Reichweite und taugt tatsächlich als Stadtauto. Bentley ließ Hedley etwas bauen, das man fahren darf. Porsche ließ etwas bauen, das man nur anschauen darf. Der Unterschied ist keine Frage des Könnens, sondern der Haltung: Retro-Mobilität kann ein echtes Verkehrsmittel sein – Porsche macht daraus ein Spielzeug.
Denn während Zuffenhausen seine Vergangenheit elektrifiziert, verliert die Traditionsmarke die Zukunft aus dem Blick. Die operative Umsatzrendite ist 2025 auf 0,2 Prozent abgestürzt, von 14,1 Prozent im Vorjahr. In China brach der Absatz um 26 Prozent ein — verdrängt von genau jenen lautlosen E-Autos, die Porsche selbst nicht liefern konnte. Die einst als E-Vorreiter gefeierte Marke rudert zurück: Blume weicht die 80-Prozent-Elektroquote auf, rückt Verbrenner und Hybride wieder in den Fokus und streicht bis 2029 rund 1.900 Stellen. Die Aktie steuert auf das dritte Verlustjahr in Folge zu, mehr als 60 Prozent unter dem Rekordhoch.
Und so ergibt der kleine 550 J plötzlich Sinn – als Sinnbild. Die Verkehrswende hat Porsche verpasst. Nun bleibt die Elektrifizierung der Nostalgie von 1953. Der Konzern, der die Zukunft des Sportwagens elektrisch buchstabieren wollte, bringt sein E-Mobil von morgen nicht auf die Straße – nur die Mobile von gestern, im Maßstab 1 zu 0,8 für die Vitrine. Der schnellste Weg, bei Porsche heute elektrisch zu fahren, führt nicht in die Zukunft. Er führt ins Museum.