Mobilität mit Mercedes am Mittwoch. Heute (16.4) fand die virtuelle Hauptversammlung der Mercedes-Benz Group statt und die Stimmung war alles andere als festlich. Der Dreizackige Stern, über Jahrzehnte Symbol deutschen Ingenieursgeistes und automobilen Luxus, steht an einem strategischen Scheideweg. Die Botschaft aus Stuttgart lautet nun: mehr Volumen, mehr Elektro, mehr Disziplin. Doch ob das reicht, ist offen.
Tanja Bauer von der Deka Investment, einem der größten deutschen Vermögensverwalter, brachte es auf den Punkt: Die Luxusstrategie von CEO Ola Källenius sei eine glänzende Vision gewesen – aber zur trüben Realität geworden. Der Fokus auf das Hochpreissegment und das gleichzeitige Festhalten am Verbrenner erwiesen sich in einem sich schnell wandelnden Markt als doppeltes Risiko. Während Rivalen wie BYD und chinesische Start-ups den Massenmarkt für Elektrofahrzeuge mit aggressiven Preisen und innovativer Technik aufrollten, wartete Mercedes auf seine Stammkundschaft. DIe aber schrumpfte.
China als Symptom
Besonders drastisch zeigt sich der Einbruch im wichtigsten Wachstumsmarkt der Welt: In China brach der Mercedes-Absatz 2025 um ganze 19 Prozent ein – deutlich mehr als bei BMW oder Audi. In einem Markt, in dem ursprünglich jedes dritte Fahrzeug verkauft werden sollte, reichen Luxusmodelle längst nicht mehr aus. Lokale Hersteller bieten inzwischen Technik auf Augenhöhe zu einem Bruchteil des Preises. Intern reagiert der Konzern mit dem Effizienzprogramm Next Level Performance. Bis 2027 sollen dauerhaft fünf Milliarden Euro jährlich eingespart werden, unter anderem durch geringere Produktionskosten. Der Free Cashflow lag 2025 trotz aller Schwierigkeiten bei soliden 5,4 Milliarden Euro. Die Substanz ist vorhanden, aber das Momentum fehlt.
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Langfristig plant Mercedes, rund zwei Millionen Fahrzeuge zu verkaufen, mit einem deutlich höheren Anteil elektrifizierter Modelle und mehr Top-End-Konfigurationen. Die Strategie klingt vernünftig – aber sie muss schneller Früchte tragen als bisher. Dass CO₂-Neutralität und der Anteil von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen nun explizit Teil des Vergütungssystems des Vorstands bleiben sollen, ist zumindest ein Signal, dass die Versprechen diesmal intern verankert werden.
Für Källenius ist die Zeit der eleganten Strategiepapiere vorbei. Gefragt sind Ergebnisse – auf der Straße, nicht auf der Folie.