Hightech und Blech

30 Jahre Toy Story

Showtime. Vier Monate nach dem Start (22.11) in den USA lief am 21. März 1996 der Film Toy Story von Pixar in den deutschen Kinos an – der erste abendfüllende, vollständig computergenerierte Spielfilm der Geschichte. Woody und Buzz Lightyear existierten als Daten auf Festplatten, berechnet von Maschinen, die heute von jedem iPhone übertroffen werden.

Wir wussten nicht, ob es funktionieren würde. Wir wussten nur, dass wir es versuchen mussten.
[ John Lasseter, Regisseur von Toy Story ]

Pixar betrieb damals eine Renderfarm aus rund 117 Sun SPARCstation- und SGI Indigo²-Workstations. Über die gesamte Produktion liefen schätzungsweise 800.000 Rechnerstunden auf. Ein einzelner Frame benötigte zwischen 45 Minuten und 30 Stunden – bei einer Ausgabeauflösung von gerade einmal 1536 mal 922 Pixeln.

Die GPU einer aktuellen PlayStation 5 besitzt mehr Rechenleistung als Pixars gesamte Renderfarm von 1995. Nvidias RTX-Architektur brachte 2018 dedizierte Hardware für Raytracing in den Konsumentenmarkt – was früher Tage kostete, dauert heute Millisekunden. Unreal Engine 5 mit Nanite und Lumen erlaubt es Indie-Studios, Szenen zu erzeugen, die 1995 selbst Pixar nicht möglich gewesen wären. Und KI-Tools wie DLSS oder neuronales Denoising beginnen gerade, die nächste Stufe einzuläuten.

Es wäre ein Fehler, Toy Story nur als technische Leistung zu würdigen. Der Film bewies etwas Grundlegenderes. Nämlich, dass Computertechnik in der Lage ist, Emotionen zu erzeugen. Woody und Buzz waren nicht trotz ihrer digitalen Natur liebenswert – sie waren es durch sie. Die Pixel hatten Seele.

Pixar hat mit einem kleinen Cluster aus Workstations und einer Handvoll visionärer Entwickler nicht nur einen Film gemacht. Es hat bewiesen, dass Rechenleistung, Kreativität und Ingenieurkunst zusammen etwas erschaffen können, das größer ist als die Summe seiner Teile. Wenn Menschen wie Steve Jobs und John Lasseter vor 30 Jahren 1995 die ersten Funken schlugen, hat die gesamte Industrie seitdem gelernt, damit Feuer zu machen.