Hightech und Blech

Acht Prozent Hoffnung

Der Filmbooster soll das deutsche Kino retten. Gut so. Aber Geld allein kuriert keine Phantasielosigkeit.

Download am Donnerstag. Es ist ein seltsames Versprechen, das Wolfram Weimer da abgibt. Der Staatsminister, der polarisiert wie kaum ein Kulturpolitiker vor ihm, hat sich ausgerechnet beim Thema Filmförderung durchgesetzt – und das mit einer Maßnahme, die auf den ersten Blick bestechend simpel klingt: Wer in Deutschland Umsatz macht, soll acht Prozent davon in deutsche oder deutschsprachige Produktionen stecken. Netflix, Amazon, die Streamingriesen aus Übersee – alle zahlen künftig in den Topf. Filmbooster nennt Weimer das. Man muss den Namen mögen oder nicht. Die Idee dahinter ist richtig.

Doch wer sich jetzt auf eine Welle frischer, ungestümer, verstörender deutscher Kinokunst freut, der sei gewarnt: Geld ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für gutes Kino. Die Frage ist nicht, ob mehr Mittel fließen – die werden es. Die Frage ist, wohin.
Denn das deutsche Film- und Fernsehwesen hat ein Strukturproblem, das tiefer sitzt als jeder Fördertopf reicht. Es ist das Problem der risikoaversen Entscheidungsträger, der Redakteure und Produzenten, die beim Wort „Tatort“ beruhigt aufatmen, weil die Quote stimmt und niemand seinen Posten riskiert. Es ist das Problem einer Branche, in der das Bewährte das Mutige systematisch verdrängt – nicht aus Böswilligkeit, sondern aus institutioneller Feigheit. Der 47. Zweiteiler über Widerstandskämpfer im Dritten Reich entsteht nicht, weil niemand etwas Besseres einfiele. Er entsteht, weil niemand etwas Besseres riskieren will.

Dabei wäre das Material vorhanden. Deutschland hat Geschichten zu erzählen, die das Weltpublikum fesseln könnten: über Migration und Identität jenseits der Betroffenheitsdramaturgie, über ostdeutsche Gegenwart ohne Ostalgie-Reflex, über die absurde Bürokratie des modernen Lebens, über Humor, der wirklich wehtut. Stattdessen: Techno-Tristesse in Moll, Reichswehr in Sepiatönen, Ermittlerinnen mit Bindungsangst an der Nordseeküste.

Der Filmbooster schafft Kapital. Er schafft keine Courage. Dafür bräuchte es etwas, das sich nicht verordnen lässt: eine Förderkultur, die Scheitern als Lernprozess begreift, die jungen Filmemacherinnen vertraut, die keine Referenzen vorweisen können, weil sie noch keine brauchen konnten.
Weimers Entwurf ist ein Anfang. Vielleicht sogar ein guter. Aber das Kino, das Deutschland verdient hätte, das entsteht nicht im Paragraphen. Es entsteht, wenn jemand Ja sagt zu einem Drehbuch, das den Lektoraten Angst macht.
Das wäre dann wirklich ein Boost.