Cooks goldener Rückzug und der stille Aderlass bei Apple
Mac-Montag. Seit dem 1. September führt John Ternus Apple. Tim Cook wechselt auf den Posten des Executive Chairman, und das SEC-Filing vom selben Tag verrät mehr über die Machtverhältnisse in Cupertino als jede Keynote.
Cook erhält als Chairman ein Zielpaket von rund 47 Millionen Dollar für das Geschäftsjahr 2027, zwei Millionen Grundgehalt plus 45 Millionen in Aktien. Das sind gut 20 Prozent weniger als 2025, als sein Gesamtpaket bei etwa 74 Millionen Dollar lag. Ein echter Abstieg sieht anders aus. Andere Konzerne zahlen ihren scheidenden Chefs Bruchteile davon. Morgan Stanleys James Gorman bekam 2024 rund 27 Millionen, Mastercards Ajay Banga nahm beim Abschied einen Schnitt von 37 Prozent hin und landete bei 17 Millionen.
Der eigentliche Clou steckt im Abstand zu Ternus. Der neue CEO kommt auf ein Zielpaket von 58 Millionen Dollar, drei Millionen Gehalt und 55 Millionen in Aktien, drei Viertel davon an die relative Aktienrendite gekoppelt. Cook als Aufsichtsratschef verdient also fast so viel wie der Mann, der den Konzern tatsächlich leitet. Apple bezahlt hier keinen Ehrensold, sondern fortgesetzte Kontrolle. Cooks neue Kernaufgabe soll die Pflege der Drähte zu Donald Trump und Peking sein, also genau jene zwei Fronten, an denen Apples Geschäftsmodell derzeit am verwundbarsten ist.
Ternus steigt derweil kräftig auf. Als SVP Hardware Engineering habe er zuletzt geschätzt rund 25 Millionen Dollar im Jahr verdient, berichtet Bloomberg. Nun verdreifacht sich sein Einfluss, und mit ihm das Risiko.
Zeitgleich zieht sich Phil Schiller aus der Leitung von App Store und Produkt-Events zurück. Von finanziellem Druck kann dabei keine Rede sein. Der 66-Jährige bleibt Apple Fellow und gelte intern als jemand, der sich Schritt für Schritt in den Ruhestand verabschiede. Bezeichnend ist der Kontext. Schiller ist nur der jüngste Name auf einer langen Liste. Jeff Williams, Luca Maestri, Lisa Jackson, John Giannandrea, Kate Adams, dazu Alan Dye, der zu Meta wechselte. Binnen zweier Jahre verliert Apple einen Großteil jener Führungsgeneration, die den iPhone-Aufstieg gemanagt hat.
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Ternus erbt ein Unternehmen, das auf dem Papier unschlagbar wirkt und dessen Erfahrungsschatz gerade in Serie in Rente geht. Dass Apple seinem alten Chef fast CEO-Gehalt zahlt, um ihn im Haus zu halten, ist weniger Geste der Großzügigkeit als stilles Eingeständnis von Abhängigkeit.