Apple zeigt erstmals, wo das Geld landet
Steuern am Samstag. Eine neue EU-Vorschrift zwingt große Konzerne, Umsätze, Gewinne und Steuern für jedes Mitgliedsland einzeln offenzulegen. Apple hat diesen Country-by-Country-Report jetzt zum ersten Mal veröffentlicht, für das Geschäftsjahr bis September 2025. Was jahrelang nur zu vermuten war, steht damit in einem amtlichen Dokument.
Das Bild ist eindeutig. Über Irland verbucht Apple 213,6 Milliarden Dollar Umsatz und 34,6 Milliarden Dollar Vorsteuergewinn – mehr als über alle anderen EU-Länder zusammengenommen. Dort arbeiten 5.575 Menschen. Rechnerisch entfallen damit rund sechs Millionen Dollar Gewinn auf jeden einzelnen irischen Beschäftigten.
Deutschland steht daneben blass da. 2,72 Milliarden Dollar Umsatz – der größte Verbrauchermarkt Apples in der EU –, aber nur 209 Millionen Dollar ausgewiesener Gewinn und 153,5 Millionen Dollar gezahlte Steuern. Auf jeden der 4.089 Beschäftigten kommen so etwa 51.000 Dollar Gewinn. Frankreich erreicht bei 1,63 Milliarden Dollar Umsatz einen Gewinn von 166 Millionen Dollar, zahlt 63,4 Millionen Dollar Steuern und beschäftigt 2.611 Menschen – pro Kopf also spürbar mehr als Deutschland.
Das ist der eigentliche Punkt: Deutschland schneidet schlechter ab als Frankreich, obwohl hier mehr als anderswo tatsächlich entwickelt wird. In München steht Apples größter Entwicklungsstandort in Europa, mit über 2.000 Ingenieuren für Chip-Design sowie Energie- und Akku-Optimierung. Reale technische Wertschöpfung also – die sich in der Gewinnzeile so gut wie nicht niederschlägt. Wo der Wert entsteht und wo er versteuert wird, sind zwei verschiedene Landkarten.
Ein Detail gehört zur Einordnung: Die irische Steuerzahlung von 17,1 Milliarden Dollar ist überhöht. Sie enthält die Auflösung des Treuhandkontos aus dem EuGH-Urteil von 2024, das Apple zu rund 13 Milliarden Euro Nachzahlung verpflichtet hatte. Ohne diesen Sondereffekt wäre es ein gewöhnliches Jahr. An der Grundstruktur ändert das nichts.
Bemerkenswert ist am Ende weniger die einzelne Zahl als die Tatsache, dass sie überhaupt öffentlich ist. Die Verlagerung von Gewinnen nach Irland war lange bekannt, aber schwer zu belegen. Jetzt liefert der Konzern die Belege selbst – weil eine europäische Richtlinie es verlangt. Für die Debatte über faire Unternehmensbesteuerung ist das ein Fortschritt, auch wenn Irland als Sammelbecken für den halben Weltgewinn eine Blackbox bleibt.
Wer britische Zahlen sucht, sucht vergebens: Großbritannien ist seit dem Brexit kein EU-Mitglied und fällt aus der Berichtspflicht. Auch das sagt etwas – darüber, wie weit die neue Transparenz reicht und wo sie endet.