Hightech und Blech

Apples Wut auf OpenAI

Apple mag nicht kopiert werden

Mac-Montag. Am Freitag (10.7) hat Apple beim U.S. District Court for the Northern District of California Klage gegen OpenAI, die Hardware-Tochter io Products und zwei ehemalige Mitarbeiter eingereicht. Der Vorwurf lautet auf systematische Veruntreuung von Geschäftsgeheimnissen. Nicht Einzelfälle, sondern — so Apple — ein Muster, das bis in die Führungsebene reiche.

Die Vorwürfe

Beklagter Nummer eins ist Chang Liu, acht Jahre leitender System-Elektroingenieur bei Apple. Er ist im Januar 2026 zu OpenAI gewechselt. Chang Liu habe seinen Firmenlaptop nicht zurückgegeben, kein Abschlussgespräch geführt und später eine Authentifizierungslücke ausgenutzt, um weiterhin auf Apples internen Speicher zuzugreifen. Dort habe er dutzende vertrauliche Dateien heruntergeladen, darunter eine über tausendseitige Sammlung von Fertigungsunterlagen zu Apples Platinen. Statt die Lücke zu melden, habe er sich amüsiert: LOL, schrieb er laut Klageschrift einem Ex-Kollegen.

Beklagter Nummer zwei ist Tang Yew Tan — 24 Jahre Apple, zuletzt Vizepräsident für Produktdesign von iPhone und Apple Watch, heute Chief Hardware Officer bei OpenAI. Er habe interne Apple-Projektcodenamen genutzt, um Bewerber:innen im Vorstellungsgespräch auszuhorchen, und sie aufgefordert, echte Teile mitzubringen: Akkus, Logic Boards, SiP-Module. Show and Tell nennt Apple das. Ausscheidende Mitarbeiter:innen seien zudem darin geschult worden, wie sie Apples Sicherheitsprozesse umgehen. Ein Zulieferer sei unter Vorspiegelung falscher Tatsachen dazu gebracht worden, ein Apple-eigenes Metallveredelungsverfahren anzuwenden.

Apple habe OpenAI bereits im Februar angeschrieben. Antwort: keine. OpenAI-Sprecher Drew Pusateri lässt jetzt ausrichten, man habe kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen.

Worum es wirklich geht

Über 400 ehemalige Apple-Beschäftigte arbeiten inzwischen bei OpenAI. Das ist keine Abwerbung, das ist ein Karrierepfad nach der Lehre in Cupertino. Auffällig ist das Timing, denn die Abwanderung läuft seit dem 6,5-Milliarden-Dollar-Kauf von Jony Ives Startup io im Jahr 2025. Geklagt wird erst jetzt — kurz bevor OpenAI sein erstes eigenes Gerät zeigt und mitten in der IPO-Vorbereitung.

Apple fordert Schadenersatz und eine einstweilige Verfügung, die OpenAI die Nutzung der Geheimnisse untersagt. Übersetzt: eine Bremse für die Hardware-Sparte des Konkurrenten, zum denkbar teuersten Zeitpunkt. Dass Apple ausdrücklich betont, die ChatGPT-Integration in Siri sei nicht Gegenstand des Verfahrens, macht die Sache nicht weniger pikant — es zeigt nur, wie eng Partnerschaft und Prozessgegnerschaft hier beieinanderliegen.

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Apple wirft OpenAI institutionalisierten Ideenklau vor, mit ungewöhnlich konkreten Belegen. Bewiesen ist nichts. Aber die eigentliche Botschaft steht zwischen den Zeilen: Wer Apples Hardware-Wissen abschöpft, bekommt Apples Anwälte gleich mitgeliefert — und zwar exakt dann, wenn es am meisten wehtut.