Hightech und Blech

Computer verkaufen, anders

Apple Store in Mailand mit öffentlichem Vorplatz (Bild: Apple)

Wie Apple den Einzelhandel neu erfunden hat und sich selbst in den Mittelpunkt stellt

25 Jahre Apple Store. Als Steve Jobs am 19. Mai 2001 den ersten Apple Store im Einkaufszentrum Tysons Corner öffnete, erntete er zunächst Spott. Analysten prophezeiten ein schnelles Scheitern – zu teuer, zu nischig, zu naiv. 25 Jahre später empfangen weltweit über 540 Stores zusammen mehr als 500 Millionen Menschen jährlich. Das ist keine Erfolgsgeschichte über Einzelhandel. Das ist eine über Identität und Identifikation mit einem angebissenen Apfel.

Jobs‘ entscheidende Intuition war radikal simpel. Kein Verkaufspersonal mit Provisionsdenken, keine vollgestopften Regale, keine Ablenkung. Stattdessen offene Tische, Tageslicht, Geräte zum Anfassen. Das Genius Bar-Konzept verwandelte technischen Support in persönliche Beratung – und Frustration in Loyalität. Apple verkaufte nicht Hardware, sondern Zugehörigkeit zu einem Ökosystem und einer Haltung.

Kein Unternehmen hat das Konzept des Launch-Events so konsequent kultiviert. Die Schlangen vor Apple Stores – ob in Cupertino, London oder München – sind längst kulturelle Phänomene. Menschen campen über Nacht nicht wegen eines Smartphones, sondern wegen des Rituals. Das erste iPhone-Wochenende 2007 zeigte, wozu die Stores fähig sind: Sie machen aus einem Produktlaunch ein kollektives Erlebnis, über das Medien weltweit berichten, ohne dass Apple einen Cent für Werbung ausgibt.

Flagship-Stores wie der gläserne Kubus an der Fifth Avenue in New York mit 2,5 Milionen Besucher:innen jährlich oder das Amphitheater in Mailand sind bewusst als öffentliche Räume konzipiert. Menschen treffen sich dort, nutzen das WLAN, verbringen Zeit – ohne kaufen zu müssen. Apple hat verstanden, dass urbane Präsenz Markenwert ist. Der Store als Stadtmöbel, als Treffpunkt, als Aussage. Auch der erste deutsche Store, 2008 in der Münchner Rosenstraße eröffnet, folgte dieser Logik, in der dann auch der Jungfernstieg und der Kurfürstendamm jeweils mit eigenem Konzept zentral, einladend und unverwechselbar entstanden.

Was Apple in einem Vierteljahrhundert aufgebaut hat, lässt sich nicht kopieren – und das ist auch ein Wettbewerbsvorteil. Die Stores sind kein Vertriebskanal. Sie sind die physische Manifestation einer Weltanschauung, in der iPhone und Mac der Mittelpunkt sind.