Hightech und Blech

Erste Duo-Apps

Apple zeigt erste für iPhone Duo optimierte Apps

Shopping am Samstag. Seit gestern (23.10) steht das iPhone duo in den deutschen Apple Stores, ab 2.299 Euro. Pünktlich dazu hat Apple im Newsroom einen längeren Text veröffentlicht, der eigentlich nur eine Botschaft hat: Seht her, die Entwickler sind schon da. Netflix, Prime Video, Zoom, Fantastical, Asphalt Legends und Dutzende weitere Apps sollen zeigen, dass das erste faltbare iPhone mehr kann als E-Mail, Web, Telefon und Kamera.

Das ist Content Marketing in Reinform. Bevor jemand mehr als zwei Riesen auf den Tresen legt, lohnt ein genauerer Blick darauf, was davon hierzulande tatsächlich ankommt.

Die Ideen sind teilweise wirklich hübsch. Halb zugeklappt wird das duo zum eigenen Ständer: oben läuft das Video, unten liegen Details oder Statistiken. Netflix wechselt beim Aufklappen nahtlos vom Clip-Scrollen auf dem Außendisplay zum Vollbild innen. Split View bringt erstmals zwei Apps nebeneinander auf ein iPhone, und Fantastical zeigt Kalender und Aufgaben gleichzeitig. Die Indie-App Deck-Man macht aus dem Klappmechanismus sogar einen Kassettenrekorder. Optimierte Apps erkennt man im App Store übrtigens am eigenen „Made for iPhone Duo“-Badge.

Schaut man auf die Liste der Vorzeige-Apps, wird es schnell amerikanisch: MLB-Baseball, die Baumarktkette Lowe’s, DoorDash, Lyft, Yelp, OpenTable, American Airlines, United Airlines. Dazu kommen ausführlich gewürdigte Apps für China und Korea, etwa Taobao, Weibo und KakaoTalk. Europa bekommt einen einzigen Absatz mit Airmail, Craft und Tiimo. Deutsche Apps werden gar nicht erwähnt: kein Lieferdienst, keine Bahn, keine Bank.

Hinzu kommt, dass ein Teil der Liste Zukunftsmusik ist. Word und Outlook sollen „in den kommenden Wochen“ folgen, DoorDash „später in diesem Jahr“, einzelne Spiele im November. Der Showcase zeigt also nicht nur, was es gibt, sondern auch, was es irgendwann geben soll.

Was davon in Deutschland übrig bleibt sind die üblichen Verdächtigen und globalen Schwergewichte wie Netflix, Prime Video, Instagram, Zoom und Slack. Die funktionieren auch hier und profitieren sicher vom größeren Display. Aber ein besseres Netflix-Erlebnis in der Hosentasche ist ein dünnes Argument für ein Gerät, das so viel kostet wie ein ordentliches MacBook Pro.

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Apple verkauft hier nicht das Gerät, sondern ein Versprechen: Das Ökosystem wächst, die Entwickler sind begeistert, mehr als 2.000 von ihnen haben bereits Workshops besucht. Das mag stimmen. Nur trägt das Risiko, ob aus diesem Versprechen Alltag wird, die Kundschaft der ersten Generation, und zwar zum vollen Preis. Erfahrungsgemäß sind die zweite Hardware-Generation und das zweite App-Jahr die bessere Kombination.