Jony Ive gestaltet ein übermotorisiertes Elektro-SUV, der sich mit fünf Sitzplätzen und Kofferraum maximal vom Markenkern in Maranello entfernt
Mobilität aus Maranello. Der Ferrari Luce vereint bekannte Ferrari-Designmerkmale mit neuen Formen, markanten Proportionen und einer Cab-Forward-Architektur, die von einer neuen Ära der Performance geprägt ist. Doch obwohl sich der Ferrari Luce mutig, kühn und faszinierend präsentiert, ist er in puncto technischer Exzellenz und Innovation in jeder Hinsicht ein echter Ferrari. Er wird von vier Elektromotoren – einem an jedem Rad – angetrieben, liefert eine Leistung von 1.050 PS, beschleunigt in 2,5 Sekunden auf 100 km/h, erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h und hat bei voller Ladung eine Reichweite von 530 km. Er verfügt über ein 122-kWh-Batteriepack, eine 800-V-Architektur und wiegt 2.260 kg und kostet rund 500.000 Euro.
Um die Einzigartigkeit auch auf technologischer Ebene zu unterstreichen, entstand die Idee, das Projekt einem Designer außerhalb des Ferrari Design Studios unter der Leitung von Flavio Manzoni anzuvertrauen. So wurde das Kreativkollektiv LoveFrom – also Jony Ive und Marc Newson – mit ins Boot geholt und damit beauftragt, eine innovative Erfahrung im Luxussektor einzubringen, um einen fruchtbaren Austausch zu ermöglichen und neue Designsprachen anzuregen.
LoveFrom hat auch das Interieur komplett neu gestaltet. Wenn man alle vier Türen öffnet, wird man feststellen, dass jede Oberfläche bis ins Detail durchdacht ist. Selbst die Türscharniere wirken wie Skulpturen. Das Dreispeichen-Lenkrad besteht aus recyceltem Aluminium und setzt sich aus 19 CNC-gefrästen Einzelteilen zusammen. Ein Aluminiumsubstrat erstreckt sich über die gesamte Länge des Armaturenbretts, das von eleganten Lüftungsdüsen unterbrochen wird, deren Aluminiumblenden sich mit einem angenehmen haptischen Gefühl aufklappen lassen. Die Instrumente vor dem Fahrer sind mit OLED-Technologien von Samsung Display ausgestattet; sie nutzen konvexe Linsen mit Parallax-Effekt, um die Vergrößerung und die Bildschärfe zu gewährleisten. Ihre Farbe ändert sich je nachdem, welcher Chassis-Modus ausgewählt ist. Die Nadel des Tachometers besteht aus Aluminium und Polycarbonat und ist hinterleuchtet. Der Hebel für die Launch Control befindet sich in der darüber liegenden Blende und ist von den Instrumenten in einem Hubschrauber inspiriert. Das Gesamtbild verbindet analoge und digitale Elemente sowie Aspekte aus der Automobil- und Luftfahrtindustrie.
Das Ergebnis ist ein übermotorisiertes Elektro-SUV, der sich mit fünf Sitzplätzen und Kofferraum maximal vom Markenkern entfernt. Ein flacher Fiat Multipla, für den einst Formel-1-Pilot Michael Schumacher werben musste. Trotzdem auch ein technischer Triumph. Der Ferrari Luce verfügt über eine beispiellose Kontrolle über jedes einzelne Rad in allen drei Achsen – quer, längs und vertikal – wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Querdynamik der Karosserie liegt. Eine neue ‚Fahrzeugsteuereinheit‘ (VCU) vernetzt alle Systeme und aktualisiert die Sollwerte 200 Mal pro Sekunde. Die Frontmotoren liefern 210 kW an der Achse, die hinteren Motoren 620 kW, und das Drehmoment ist gigantisch – insgesamt 7750 Nm an den Rädern. Effizienz, Energiedichte und Thermomanagement standen dabei im Vordergrund. Die Frontmotoren können auf bis zu 30.000 U/min hochdrehen und in weniger als einer Sekunde von null auf die Höchstgeschwindigkeit beschleunigen. Und während der Ferrari Luce selbst am ‚Auspuff‘ emissionsfrei ist, hat Ferrari dank des geschickten Einsatzes von Sekundäraluminiumlegierungen auch eine Reduzierung der CO2-Emissionen während der Produktionsphase um 70 Prozent erreicht.
Zu den weiteren technischen Highlights zählt der Einsatz eines separaten, elastisch gelagerten Rahmens – erstmals bei einem Ferrari – der dazu beiträgt, unerwünschte Vibrationen zu minimieren. Der Klang eines Ferraris ist natürlich ein wesentliches Merkmal. Der Ferrari Luce nutzt einen Präzisionsbeschleunigungsmesser in der Mitte der Hinterachse, um die Eigenfrequenzen der rotierenden Bauteile zu erfassen. Diese werden dann ähnlich wie bei einer E-Gitarre ausgeglichen und verstärkt. All dies trägt dazu bei, ein wirklich fesselndes Elektrofahrzeug zu schaffen – eine Mission, die durch das Torque Shift Engagement-System noch weiter vorangetrieben wird, das den Fahrspaß steigert, indem es das Drehmoment in Kurven progressiv bereitstellt. Ein E-Manettino ergänzt das traditionelle Ferrari-Fahrwerk und regelt Leistung, Drehmomentkurve, Traktion und Fahrdynamik über die Modi ‚Range‘, ‚Tour‘ und ‚Performance‘.