Mac-Montag. Tim Cook ist seit dem 1. September nicht mehr Apple-Chef. Er ist Executive Chairman, und sein Mandat umfasst ausdrücklich Gespräche mit Regierungen in aller Welt. Bloomberg zufolge gehörten dazu vor allem das Weiße Haus und China. Wie dieser Job aussieht, war am vergangenen Donnerstag im East Room zu besichtigen. Dort gab Donald Trump ein Staatsbankett für Xi Jinping, und Cook saß am Haupttisch. Neben ihm saßen Jensen Huang von Nvidia und Lisa Su von AMD, deren modernste KI-Chips nicht nach China exportiert werden dürfen. Cook war der Einzige an diesem Tisch, dessen Konzern von beiden Gastgebern zugleich abhängt.
Das Menü las sich wie ein diplomatisches Kommuniqué. Amerikanische Zutaten mit dezentem chinesischem Einfluss, so das Büro der First Lady. Es gab ein Velouté aus gelbem Kürbis mit Frühlingszwiebelöl, Wolfsbarsch mit Sesamkruste auf Pak Choi und ein Vanille-Crémeux mit Sauerkirschen und Eis aus Honig vom Weißen Haus. Rotes Fleisch fehlte. Fox News erklärte das Menü deshalb für pescetarisch und übersah die knusprige Pancetta in der Suppe. Das ist die Pointe des Abends im Kleinformat. Beide Seiten bekommen etwas, und das Schwein bleibt unerwähnt.
Angestoßen wurde mit Schramsberg Blanc de Noirs, demselben Schaumwein, der 1972 bei Richard Nixons Toast auf den Frieden in Peking im Glas war. Gegessen wurde von Porzellan aus der Reagan-Ära. Das Weiße Haus zitiert gern Epochen, in denen Amerika China öffnen wollte und dabei aus einer Position der Stärke sprach. Wie viel davon im Jahr 2026 noch trägt, ist offen.
Dann der Ballsaal. Nach fünf Minuten unterbrach Trump seinen Trinkspruch und lud die Gäste ein, hinter einem Vorhang die Baustelle zu besichtigen. Xi und Peng Liyuan sollten die Ersten sein, die den Rohbau betreten. Der neue Saal werde weit mehr als tausend Gäste fassen und sei in etwa einem Jahr fertig. Dass man im vergleichsweise engen East Room tafelte, lag genau daran, dass er noch nicht fertig ist.
Für Cook ist dieser Vorhang mehr als Kulisse. Als das Weiße Haus im Oktober 2025 die Spenderliste für den Ballsaal veröffentlichte, stand Apple darauf, neben Amazon, Google, Meta und Microsoft. Wie viel Apple gegeben hat, ist nicht bekannt. Cook aß also zwischen dem Präsidenten, der Zölle verhängt, und dem Präsidenten, der über Fabriken und Marktzugang entscheidet, einen Vorhang entfernt von einem Rohbau, den sein Konzern mitfinanziert. Formal ist Cook kein Lobbyist. Apple spricht von Kontakten zu Politikern weltweit. An diesem Abend war die Grenze allerdings so dünn wie das Reagan-Porzellan.
Hat er sich wohlgefühlt? Übung hat er jedenfalls. 2015 saß er beim Staatsbankett für Xi unter Barack Obama, im Mai 2026 beim Gegenbankett für Trump in Peking. Neu ist die Arbeitsteilung. John Ternus baut in Cupertino Produkte, Cook sitzt an den Tischen, an denen über diese Produkte entschieden wird. Das schützt den neuen Chef vor politischer Reibung und macht aus Cook einen Berufsgast. Wohlgefühl ist in diesem Beruf keine Kategorie. Anwesenheit schon.
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Der Ballsaal ist unvollendet, das Menü diplomatisch austariert, und Apple steht auf beiden Seiten des Vorhangs. Tim Cook macht nun offiziell, was er inoffiziell immer getan hat. Er sitzt am Tisch, damit Apple nicht auf der Speisekarte landet.