Der Apple M7 wird der schnellste Chip, den Apple je gebaut hat
Hardware-Dienstag. Apple wirft eine halbe Chipgeneration weg. Was nach Panik klingt, ist eine Wette auf KI, auf einen komprimierten Zeitplan – und ausgerechnet auf Intel.
Mark Gurman berichtet in seinem Bloomberg-Newsletter Power On, Apple habe die Pläne für M6 Pro und M6 Max ersatzlos gestrichen. Ein Basis-M6 solle noch in diesem Jahr für die Einstiegs-Macs erscheinen, danach springe der Konzern direkt zur M7-Reihe. Es wäre das erste Mal seit dem Bruch mit Intel im Jahr 2020, dass eine M-Generation ohne Pro- und Max-Variante bliebe.
Der Grund sei die Neural Engine. Apple habe für den M7 so umfangreiche Verbesserungen bei der lokalen KI-Verarbeitung geplant, dass eine Zwischengeneration binnen Monaten überholt gewesen wäre. Also habe man den Zeitplan zusammengeschoben: Das Tape-out des M7 sei rund sechs Monate nach dem des M6 erfolgt – ein ungewöhnlich kurzer Abstand für einen Konzern, der seine Siliziumplanung sonst in Jahresringen denkt.
Der eigentliche Bruch steckt in einer Randnotiz. Der Basis-M7, erwartet für das erste Halbjahr 2027, solle bei Intel gefertigt werden – auf dem 18A-P-Prozess. Es wäre das erste Apple Silicon aus einer Intel-Fabrik. Sechs Jahre nach dem demonstrativen Abschied von Intel-Prozessoren, wenige Monate nachdem macOS 27 den letzten Intel-Code aus dem System entfernt, kehrt Apple als Kunde zurück – nicht als Käufer von Chips, sondern von Kapazität.
Denn Kapazität ist das Gut, um das es geht. TSMCs 2-Nanometer-Fertigung ist ausgebucht, die KI-Chipfertiger kaufen sie leer. Gurman zufolge plane Apple deshalb bereits, mit dem M8 nach nur zwei Generationen auf 1,4 Nanometer zu wechseln. Der M7 Ultra solle 2028 bei TSMC bleiben.
Technisch verspricht der Umbau viel. Der Basis-M5 kommt auf eine Speicherbandbreite von 153 GB/s; für den Basis-M7 sind rund 240 GB/s im Gespräch. Der M7 Ultra sei auf bis zu 1,5 Terabyte Unified Memory ausgelegt und solle bei der KI-Leistung in die Nähe dedizierter Beschleuniger wie Nvidias Blackwell rücken. Zum Vergleich: 1,5 Terabyte waren exakt das RAM-Maximum des Intel-Mac-Pro von 2019.
Ob die 1,5-Terabyte-Konfiguration überhaupt ausgeliefert wird, hängt laut Gurman davon ab, ob sich die Speicherknappheit bis 2028 entspannt. Dieselbe Knappheit, die den weltweiten Smartphone-Markt in diesem Jahr um voraussichtlich 13,9 Prozent einbrechen lässt – der stärkste Rückgang der Branchengeschichte. Dieselbe Knappheit, die entsteht, weil DRAM und NAND in KI-Rechenzentren wandern statt in Endgeräte.
Apple baut also einen Chip, dessen Daseinszweck die KI ist – und der KI-Boom entzieht ihm die Grundlage, ihn zu bestücken. Der Konzern optimiert seine Hardware für genau jene Nachfrage, die ihm den Speicher wegkauft. Ein Motor mit maximaler Drehzahl und leerem Tank.
Man kann das als Ironie lesen. Man kann es auch als das lesen, was es ist: das Eingeständnis, dass Apple die Bedingungen seiner eigenen Produktion nicht mehr kontrolliert.
< tl;dr />
Apple streicht M6 Pro und Max, zieht den KI-optimierten M7 vor und lässt den Basis-Chip erstmals bei Intel fertigen. Die Spitzenkonfiguration mit 1,5 TB Speicher ist konstruiert – ob sie je gebaut wird, entscheidet ein Speichermarkt, den die KI leerkauft.