Apples erstes MacBook Pro zum Anfassen auf dem Bildschirm
Macs vom Mittwoch am Donnerstag. Apple stellte gestern (28.10) in Los Angeles das MacBook Pro mit PROLED XDR Display vorgestellt, das erste Mac-Notebook mit berührungsempfindlichem Bildschirm. Sechzehn Jahre nachdem Steve Jobs Touchscreens am Laptop als ergonomisch untauglich verworfen hatte, kündigte John Ternus den Kurswechsel nun selbst auf der Bühne an. Das Gerät erscheint in 14 und 16 Zoll, wahlweise mit M5 Pro oder M5 Max, und ersetzt die Notch durch eine Dynamic Island. Die bisherigen Modelle mit Mini-LED bleiben parallel im Sortiment.
PROLED XDR is the world’s best laptop display. It pairs state-of-the-art tandem OLED technology with advanced algorithms in our display engine to deliver the kind of visual fidelity pros have been dreaming of. And with the magic of Touch coming to MacBook Pro, combined with the game-changing performance of M5 Pro and M5 Max, we’ve created a whole new way for pros to interact with their content, taking their workflows to a completely new level.
[ Johny Srouji, Apple’s chief hardware officer ]
Herzstück ist ein Tandem-OLED mit zwei übereinanderliegenden Leuchtschichten. Apple verspricht bis zu 2.000 Nits Spitzenhelligkeit für HDR und SDR, ein Kontrastverhältnis von 10.000.000 zu 1 und die Abdeckung von P3 und Adobe RGB. Es handle sich um das beste Display, das je in einem Notebook verbaut worden sei. Der Touch-Sensor sitze direkt im Panel statt als zusätzliche Schicht darüber, was die Latenz spürbar senke. Ein neu konstruiertes Scharnier solle verhindern, dass der Deckel bei jedem Antippen nachwippt.
Billig ist der Einstieg nicht. Das 14-Zoll-Modell mit M5 Pro kostet ab 3.299 Euro, die 16-Zoll-Variante ab 3.899 Euro. Mit M5 Max werden mindestens 5.119 beziehungsweise 5.599 Euro fällig. Gegenüber dem Mini-LED-Modell mit gleichem Chip beträgt der Aufschlag für OLED und Touch damit 400 bis 500 Euro. Vorbestellungen laufen seit gestern, ausgeliefert wird ab Freitag, dem 6. November.
Was Profis mit dem Finger tatsächlich anfangen können:
Apple positioniert Touch ausdrücklich als Ergänzung zu Tastatur und Trackpad, nicht als deren Ersatz. Das ist ehrlich, denn macOS ist auf einen pixelgenauen Mauszeiger gebaut. Bestehende Programme funktionieren zwar sofort, weil das System Berührungen in Klicks übersetzt. Ein Finger ist aber rund einen Zentimeter breit und damit ein ziemlich grobes Zeigegerät. Apple fängt das auf Systemebene ab, vergrößert Schaltflächen, sobald sich ein Finger nähert, und zieht Menüeinträge auseinander. In den dicht bepackten Werkzeugleisten von Photoshop, Final Cut, Pro Tools oder Xcode hilft das nur bedingt, solange die Hersteller ihre Software nicht über die neuen Schnittstellen eigens anpassen.
Wirklich gewinnen werden vor allem Arbeitsschritte, bei denen man Inhalte direkt greift statt Werkzeuge zu bedienen. Musiker:innen spielen in Logic Pro ein polyphones Software-Keyboard auf dem Bildschirm, Cutter:innen schieben Clips in der Timeline, 3D-Gestalter:innen drehen Modelle mit zwei Fingern, Fotograf:innen zoomen und blättern durch Serien. Auch die Abnahme beim Kunden dürfte profitieren, wenn das Gegenüber einfach auf die Stelle zeigen kann, die geändert werden soll.
Für Präzisionsarbeit taugt das Panel dagegen kaum. Ausgerechnet ein Gerät, das Apple als mobilen Referenzmonitor für Farbarbeit vermarktet, unterstützt keinen Apple Pencil. Wer retuschiert, Vektorpfade setzt oder illustriert, braucht also weiterhin iPad oder Grafiktablett. Hinzu kommt die Ergonomie. Der Bildschirm steht senkrecht und lässt sich nicht flach umklappen, der Arm hängt in der Luft. Erste Tester von The Verge berichten zudem, dass der Deckel bei kräftigem Tippen am oberen Rand trotz neuem Scharnier noch nachgibt.
Realistisch ist deshalb ein hybrider Arbeitsalltag. Präzise Eingaben laufen weiter über Tastenkürzel und Trackpad, der Finger übernimmt Navigation, Zoom und grobe Handgriffe für ein paar Sekunden. Ob daraus mehr wird, entscheiden Adobe, Blackmagic und Avid. Apple selbst hat mit der Touch Bar von 2016 bis 2023 bereits vorgeführt, wie eine Touch-Idee am MacBook Pro verkümmert, wenn die großen Softwarehäuser nicht mitziehen.
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Apples erstes Touch-MacBook kostet ab 3.299 Euro und kommt am 6. November. Das Tandem-OLED dürfte das Beste sein, was man derzeit in einem Notebook kaufen kann. Der Touchscreen dagegen ist für Profis ein Zusatzwerkzeug für Musik, Schnitt, 3D und Präsentation, kein neues Arbeitsprinzip. Ohne Pencil-Support und ohne breite Anpassung der Pro-Software bleibt der Finger am Mac vorerst das, was Jobs befürchtet hatte, eine schöne Demo mit kurzer Ausdauer.