Hightech und Blech

Metas teuerster Satz

Zuckerberg als neuer Rattenfänger von Hameln, der die Kinder verführt

Social-Media-Mittwoch. Seit Dienstag (18.8) steht Meta im Bundesgericht von Oakland vor Gericht, und der belastendste Beweis ist ein interner Berichtstitel: The Young Ones Are the Best Ones. Die stellvertretende kalifornische Generalstaatsanwältin Meghan O’Neill zitierte ihn im Eröffnungsplädoyer als Beleg dafür, dass Meta Kinder nicht versehentlich, sondern strategisch anvisiert habe.

The Young Ones Are the Best Ones

Was wir wissen. Die vier Bundesstaaten Kalifornien, Colorado, Kentucky und New Jersey führen als Speerspitze von 29 klagenden Staaten den bislang größten Prozess dieser Art. Der Vorwurf lautet, Facebook und Instagram seien bewusst so gebaut worden, dass sie Minderjährige süchtig machten, und Meta habe Daten von Unter-13-Jährigen ohne elterliche Zustimmung gesammelt. O’Neills Kurzformel fürs Geschäftsmodell lautet, man wolle die Nutzer ködern, festhalten, ihre Daten ernten und dann die Wahrheit verbergen. Zuckerberg und Instagram-Chef Mosseri müssen in den Zeugenstand. Metas Anwalt Paul Schmidt kontert, die Kläger pickten sich einzelne Dokumente heraus und verzerrten Politik und Produkte.

Wie teuer wird es. Rein rechnerisch stehen bis zu 1,4 Billionen Dollar im Raum, fast der gesamte Börsenwert des Konzerns. Realistisch dürfte weniger daraus werden, zuletzt nannten die Kläger eher 200 Milliarden. Gefährlicher als jede Summe sind die geforderten Eingriffe in die Funktionsweise der Plattformen. Und Meta verliert gerade in Serie. In Los Angeles sprach eine Jury im März sechs Millionen zu, New Mexico kostete 375 Millionen, ein Missbrauchsverfahren 567 Millionen. Der Big-Tobacco-Vergleich drängt sich auf, ein Konzern, der die Schäden kannte und trotzdem weiter verkaufte.

Und die Altersgrenzen. Hier wird Oakland zum Brandbeschleuniger. Australien verbietet seit Dezember soziale Medien unter 16, ohne Ausnahme für elterliche Zustimmung, 4,7 Millionen Konten wurden deaktiviert. Dass viele Jugendliche die Sperre umgehen, stört den politischen Erzählbogen wenig. In den USA hat Florida längst Grenzen gezogen, 64 Prozent der Wähler wollen ein Verbot unter 16. Die EU-Kommission sah Meta im April vorläufig im Verstoß gegen den DSA und drängt die Mitgliedstaaten, bis Ende 2026 Altersverifikation bereitzustellen. Von der Leyen liebäugelt mit einem europäischen social media delay.

In Deutschland empfahl die Prien-Kommission Ende Juni ausdrücklich kein pauschales Verbot, sondern ein Mindestalter von 13 mit Ausnahmen. Merz und die CDU wollten mehr, die eigenen Sachverständigen bremsten. Das Muster kennen wir. Die Politik ruft nach dem Verbot, die Wissenschaft nach Medienkompetenz, und die Grundrechtsfrage bleibt offen.

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Oakland liefert die Belege, die Europas Verbotsdebatte bisher fehlten. Selbst wenn Meta die Milliarden übersteht, wird der Satz von den besten Nutzern die Altersgesetze von Canberra bis Berlin befeuern. Der Konzern verteidigt sein Geschäftsmodell und schreibt zugleich am Drehbuch für dessen Regulierung.