Hightech und Blech

RAMageddon bei Apple

RAM wird auch bei Apple teurer

Down the Drain. Tim Cook hat im Interview mit dem Wall Street Journal etwas getan, was bei Apple selten vorkommt: schlechte Nachrichten vorab angekündigt. Preiserhöhungen seien „unvermeidlich“, so der scheidende CEO – das Unternehmen könne die explodierenden Kosten für Arbeits- und Festspeicher nicht länger auffangen, ohne dass die Kunden es merken.

Unfortunately, price increases are unavoidable. We’re doing our best to mitigate the huge increases that are being passed to us, and we’ve been trying to shield our customers from the increases, but the situation has become unsustainable.
[ Tim Cook, Apple ]

Der Grund liegt nicht in Cupertino, sondern in den Rechenzentren der KI-Branche. Die Hyperscaler reißen sich um High-Bandwidth-Memory, und die Speicherhersteller – Samsung, SK Hynix, Micron – lenken ihre Kapazitäten dorthin, wo die Margen am fettesten sind. Für DRAM und NAND, die Bausteine in Smartphones, Macs und iPads, hat sich der Preis seit letztem Jahr vervierfacht. Cook spricht von einer Jahrhundertflut: So etwas habe er in über vier Jahrzehnten Lieferkette nicht erlebt.

Die Zahlen sind unangenehm konkret. Morgan Stanley rechnet damit, dass bis 2027 rund 15 Prozent der für Konsumgeräte nötigen Speicher-Wafer schlicht fehlen – und prognostiziert für die USA noch dieses Jahr 15 Prozent höhere Preise quer durch Smartphones und PCs. TechInsights kalkuliert, dass allein das nächste iPhone Pro etwa 270 Dollar teurer werden müsste, damit Apple seine Marge hält.

Sichtbar ist der Trend längst. Den Mac mini hat Apple klammheimlich von 599 auf 799 Dollar gehievt, indem es die günstigste Variante gestrichen hat; beim MacBook Pro kamen bis zu 400 Dollar obendrauf. Das iPhone 18 – im September erwartet, erstmals mit Foldable-Variante – dürfte folgen, Mac und iPad womöglich schon früher. Eigene Speicherfabriken will Apple nicht bauen, aber man werde die Bilanz einsetzen, um Nachschub zu sichern. Im September übergibt Cook ohnehin an John Ternus, der das Schlamassel erbt.

Der Tipp von Hightech-und-Blech.de: Wer ohnehin mit einem neuen Gerät liebäugelt, sollte jetzt zuschlagen. Denn Apple hebt Preise praktisch nie mitten im laufenden Produktzyklus an – die Erhöhungen kommen erfahrungsgemäß mit der nächsten Generation, nicht für das Modell, das schon im Regal steht. Das aktuelle Line-up ist also eine Art Preis-Schutzraum auf Zeit. Wer ein iPhone 17, ein MacBook oder ein iPad mit großzügig dimensioniertem Speicher plant, kauft heute zu Konditionen, die es so bald nicht wieder geben dürfte. Gerade bei den speicherhungrigen Macs lohnt der Griff zur größeren RAM-Ausstattung – bevor genau die zum Luxusgut wird.

[ The Wall Street Journal, Interview mit Tim Cook (17. Juni 2026) ]