Hightech und Blech

Social as a Service

Meta braucht Moneten aus Abo-Modell, weil der Werbe-Algorithmus unter EU-Regulierungsdruck steht

Finanzen am Freitag. Meta hat gerade den Startschuss für ein globales Abo-System gegeben. Facebook Plus und Instagram Plus kosten je 3,99 Dollar pro Monat, WhatsApp Plus 2,99 Dollar — für erweiterte Profil-Personalisierung, Story-Analytics und exklusive Reaktionen. Parallel dazu testet das Unternehmen KI-fokussierte Tiers unter dem Namen Meta One: Meta One Plus für 7,99 Dollar und Meta One Premium für 19,99 Dollar monatlich, mit mehr Rechenkapazität für komplexe KI-Anfragen.

Die Zahlen klingen unspektakulär — bis man sie mit der Nutzerbasis multipliziert. Facebook zählt aktuell rund 2,11 Milliarden Daily Active Users. Bei einer mittelfristig realistischen Konversionsrate von 50 Prozent auf Facebook Plus ergäbe das rund 48 Milliarden Dollar Jahresumsatz allein mit einem Service. Das ist nicht trivial, selbst für Meta.

Zum Vergleich: Meta erzielte 2025 einen Gesamtumsatz von rund 201 Milliarden Dollar, davon entfiel auf die Facebook-App allein etwa 91 Milliarden Dollar. Teilt man das durch die täglich aktive Nutzerschaft von 2,11 Milliarden (DAU), kommt man auf knapp 43 Dollar Werbeeinnahmen pro Kopf und Jahr — also rund 3,60 Dollar pro Monat. Das Abo ist somit pro konvertiertem Nutzer schon beim Einstiegspreis profitabler als Werbung. Die strategische Logik ist klar, denn Abo-Erlöse sind stabiler, DSGVO-resistent und nicht vom CPM-Markt abhängig.

In diesen Kontext fällt die frische EU-Offensive gegen Plattformmissbrauch. Die EU verhängt gegen Temu eine Strafe von 200 Millionen Euro wegen mangelhafter Sicherheitsprüfungen und dem Verkauf gefährlicher Produkte — es ist erst die zweite Sanktion auf Basis des Digital Services Act, nach der 120-Millionen-Strafe gegen X. Kritiker werfen der EU-Behörde allerdings vor, ihre Sanktionsmittel zu zögerlich einzusetzen — bei Temu mit 53 Milliarden Euro Jahresumsatz liege das Maximum bei über drei Milliarden. Noch sind es mehr symbolische Peitschenhiebe.

Meta selbst steht im Fadenkreuz. Erst letzte Woche reichten 29 Verbraucherorganisationen aus 27 Ländern Beschwerde bei der EU-Kommission ein und werfen Google, Meta und TikTok vor, Fake-Finanzanzeigen nur unzureichend zu bekämpfen. Plattformen entfernten nicht einmal 30 Prozent der gemeldeten Verdachtsanzeigen. Parallel dazu stellte die Kommission im April 2026 vorläufig fest, dass Meta gegen den DSA verstößt — es ist die dritte größere Aktion gegen das Unternehmen in 18 Monaten. Bei einem möglichen Bußgeld von bis zu 6 Prozent des globalen Umsatzes stehen dann bis zu 12 Milliarden Dollar im Raum.

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Das Abo-Modell ist für Meta kein Komfort-Feature, sondern strategische Notwendigkeit einer Diversifikation weg von Werbeeinnahmen, die unter zunehmendem regulatorischen Beschuss stehen. Wer heute für Story-Analytics zahlt, subventioniert morgen Zuckerbergs Anwaltskosten in Brüssel.