Hightech und Blech

Wer KI kann, kassiert

Finanzen am Freitag am Samstag. Meta streicht rund 700 Stellen, vorwiegend in Reality Labs und im Recruiting-Bereich. Als Begründung dient eine Verschiebung der Konzernprioritäten Richtung KI. Das klingt nach strategischer Weichenstellung. Gleichzeitig wurde ein neues Aktienprogramm für Führungskräfte vorgestellt, bei dem einzelne Manager Boni im dreistelligen Millionenbereich erhalten könnten. Konkret könnten die Bonuszahlungen für Topmanager künftig bis zu 200 Prozent des Grundgehalts betragen – bisher lag die Grenze bei 75 Prozent. Den Entlassenen dürfte das schwer zu vermitteln sein.

Apple geht einen anderen, aber ebenfalls aufschlussreichen Weg. Das Unternehmen gewährte zahlreichen Mitgliedern seines iPhone-Produktdesignteams außerplanmäßige Boni im Wert von mehreren hunderttausend Dollar. Die Summen sollen zwischen 200.000 und 400.000 US-Dollar wert sein. Dafür müssen die Mitarbeiter vier Jahre bei Apple bleiben, um die volle Stückzahl zu erhalten.
Apple ist zunehmend besorgt über die Abwerbung von Ingenieuren durch potenzielle Rivalen – als besondere Bedrohung gilt dabei OpenAI, das den ehemaligen Apple-Designchef Jony Ive für eine neue Generation KI-zentrierter Produkte engagiert hat. Start-ups bieten teils rund eine Million US-Dollar jährlich in Aktien, um Apple-Ingenieure zum Wechsel zu bewegen.

Ddahinter steckt ein größerer Trend und er ist struktureller Natur. Wir beobachten eine massive Umverteilung von Kapital und Talent innerhalb des Tech-Sektors, angetrieben von AI.

Der KI-Pivot dient als Blaupause für Entlassungen. Meta ist kein Einzelfall. Entlassungen sowie Kosteneinsparungen sind in den letzten Jahren ein allgemeiner Trend bei den Big-Tech-Unternehmen – seit 2023 drängt Zuckerberg auf eine Verbesserung der Effizienz. Google, Microsoft, Amazon – alle haben in Wellen abgebaut, um gleichzeitig KI-Investitionen hochzufahren. Die Botschaft lautet: Wer nicht direkt zur KI-Roadmap beiträgt, ist ersetzbar.

Zudem verschiebt sich der War for Talent. Früher konkurrierten Google, Apple und Meta untereinander um die besten Ingenieure. Heute mischen KI-Start-ups wie OpenAI, Anthropic oder xAI ganz oben mit. Das Apple-Intelligence-Team hat bereits mehrere Mitarbeiter an Meta, OpenAI und verschiedene KI-Start-ups verloren. Für etablierte Konzerne ist das ein neuartiges Problem – sie müssen nun gegen Firmen bieten, die mit Risikokapital im Rücken astronomische Pakete schnüren können.

Apples Bonusstrategie ist symptomatisch für eine Branche, die erkannt hat, dass das Halten von Schlüsselpersonen teurer geworden ist als das Gewinnen. Und es funktioniert nur mit goldenen Handschellen: Retention statt Rekrutierung. Die Boni werden als Aktienpakete ausgegeben, die über vier Jahre unverfallbar werden. Die Mitarbeiter müssen bei Apple bleiben, um den vollen Wert zu erhalten.

Beide Strategien – Entlassungen bei Meta, Sonderboni bei Apple – sind letztlich Antworten auf dieselbe Frage: Wie forme ich meine Belegschaft für eine KI-Zukunft um. Der Unterschied liegt nur darin, wen man dabei mitnimmt. Und wer am Ende auf der Strecke bleibt. Das ist meistens nicht der Manager mit dem dreistelligen Millionenbonus.