Hightech und Blech

Wir müssen eine Mauer bauen

Die AfD wird in Sachsen-Anhalt stärker als CDU, Linke und SPD zusammen

Sonntagsfrage Sachsen-Anhalt — ein Kommentar. Es gibt einen Moment, in dem eine Zahl aufhört, eine Nachricht zu sein, und anfängt, ein Zustand zu werden. 42 Prozent für die AfD, eine Woche vor der Wahl in Sachsen-Anhalt: Das ist keine Umfrage mehr, das ist eine Wetterlage. Man empört sich nicht mehr über den Sturm, man fragt nur noch, wer vergessen hat, die Fenster zu schließen.

Geschlossen hat sie niemand. Am wenigsten der Kanzler. Friedrich Merz warnt im Sommerinterview mit staatstragendem Ernst vor der AfD — so, wie man vor Regen warnt, während man selbst den Gartenschlauch hält. Seine Reformen — das Wort trägt inzwischen Anführungszeichen wie einen Warnhinweis — sollen unbeirrt umgesetzt werden. Unbeirrt ist das Lieblingswort derer, die längst nicht mehr hinsehen, wohin sie laufen. Wer soziale Härten verwaltet und Reform dazu sagt, darf sich nicht wundern, wenn die Wut nach rechts abfließt. Die AfD quittiert es mit Prozenten.

Und die anderen? Grüne, BSW und FDP zittern vor der Fünf-Prozent-Hürde wie vor einer Grenzkontrolle. Knapp könnte es werden, unmöglich auch. Der demokratische Rest zersplittert. Die Brandmauer war bisher ein Bekenntnis. Jetzt wird sie eine Frage der Physik. Denn bei 42 Prozent ist Ausgrenzung keine moralische Geste mehr, sondern arithmetische Akrobatik. Übrig bleiben unmögliche Bündnisse als Koalitionen der Verzweiflung, in denen sich Parteien zusammendrängen, die nichts eint außer der Angst vor dem gemeinsamen Gegner.

Genau daran werden sie zerbrechen. Nicht an der AfD — an sich selbst. Wer nur noch nicht die anderen ist, hat aufgehört, etwas zu sein. Eine Brandmauer hält kein Feuer auf, wenn dahinter niemand mehr wohnt. Die Alternative für Deutschland lässt sich verhindern, indem man alle gegen sie versammelt. Besiegen aber lässt sie sich nur, indem jemand die Alternative zur Alternative wird — ein Angebot, für das man stimmt, und nicht bloß ein Wall, hinter dem man sich verschanzt.

Diese Alternative steht am nächsten Sonntag nicht auf dem Wahlzettel. Das ist die eigentliche Nachricht — nicht, dass die AfD stark ist, sondern dass ihr niemand mehr etwas entgegensetzt außer dem Wort, eigene schlechte Umfragewerte als Ansporn zu sehen, auf Kurs zu bleiben. So wie Friedrich Merz.