Hightech und Blech

Apple Creator Studio mit Kreativ-KI

Updates bringen integrierte MotionVFX-Inhalte in Final Cut Pro, Videomaterial in den Content Hub, erweiterte Tools für die Musikproduktion in Logic Pro

Medienproduktion am Mittwoch. Apple hat am Dienstag (27.10) ein großes Update für Creator Studio angekündigt, sein Abo-Bündel aus Final Cut Pro, Logic Pro, Pixelmator Pro, Motion, Compressor und MainStage samt Premium-Inhalten für Keynote, Pages und Numbers. Die Neuerungen erscheinen im November.

Im Zentrum steht MotionVFX. Apple hatte den Warschauer Plugin-Hersteller im März übernommen, samt rund 70 Beschäftigten. Tausende Effekte, Übergänge und Titelvorlagen sowie Werkzeuge für Rotoscoping, Tracking und Farbkorrektur stecken nun direkt in Final Cut Pro. Motion bekommt MotionVFX-Plugins für Color Grading und 3D-Kamera-Tracking. Der Content Hub liefert Stockvideos in die Timeline, Standbilder wandern ohne Umweg nach Pixelmator Pro. Dort hält mit Generate Fill die generative Bildbearbeitung per Textbeschreibung Einzug.

This is our most exciting update since the launch of Apple Creator Studio. MotionVFX content in Final Cut Pro gives subscribers rapid access to extensive professional video effects and content, bringing incredible value to the suite.
[ Brent Chiu-Watson, Worldwide Product Marketing for Apps and iCloud ]

Logic Pro erhält einen KI-Assistenten, der laut Apple auf eigenen Modellen und auf OpenAI beruhe. Dazu kommen eine Stem-Trennung für einzelne Schlagzeugspuren und ein neuer Sound-Browser mit integrierter Splice-Bibliothek. Auch Keynote, Pages und Numbers bekommen einen Assistenten sowie das Model Context Protocol, über das externe KI-Agenten Dokumente lesen und bearbeiten können.

Wo sich die Schere öffnet

Keynote, Pages und Numbers bleiben kostenlos. Den neuen Assistenten gibt es dort aber ausdrücklich nur für Abonnenten. Apples Gratis-Office zerfällt damit in eine Basisklasse und eine Bezahlklasse.

Die Kaufversionen von Final Cut Pro für 349,99 Euro und Logic Pro für 229,99 Euro bleiben im Mac App Store. Ob sie die MotionVFX-Bibliothek, den Content Hub oder den Logic-Assistenten erhalten, lässt die Pressemitteilung offen. Sie spricht durchgehend von Abonnenten. Wer einmal gekauft hat, sieht die spannendsten Neuerungen also womöglich nur durchs Schaufenster.

Die Rechnung wirkt zunächst verlockend. Das Jahresabo kostet 129 Euro, monatlich sind es 12,99 Euro und damit knapp 156 Euro im Jahr. Nach drei Jahren hat man mindestens 387 Euro gezahlt, Final Cut Pro und Logic Pro kosten zusammen einmalig rund 580 Euro. Nach viereinhalb Jahren ist der Vorsprung aufgebraucht, und das Abo läuft weiter. Wer am Dienstag einen der neuen Macs mit M6 kauft, bekommt drei Monate gratis. Studierende und Lehrkräfte zahlen 2,99 Euro im Monat.

Bemerkenswert ist das Kleingedruckte. Beide Assistenten laufen vorerst nur auf Englisch (USA), verlangen macOS 27 und einen Mac mit Apple Intelligence. Deutsche Abonnenten zahlen also den vollen Preis für KI, die sie im eigenen Sprachraum noch nicht nutzen können.

Und MotionVFX verkaufte bislang eigene Abos ab 29 Dollar im Monat, auch für Premiere Pro und DaVinci Resolve. Ob es für diese Kundschaft weitergeht, bleibt unklar.

< tl;dr />
Apple kauft Know-how zu und schiebt es exklusiv ins Abo. MotionVFX, generative Bildbearbeitung und Assistenten machen Creator Studio für Final-Cut-Leute attraktiver. Doch die Kaufversionen drohen zum Auslaufmodell zu werden, das kostenlose iWork bekommt eine Premiumetage und die beworbene KI spricht hierzulande noch kein Deutsch. Das sieht schon alles sehr nach #enshitification aus.