Hightech und Blech

Facebook gegen Regulierung

Facebook will Fake-News-Berichte schneller identifizieren. Bild: Facebook

#fuckingfriday für Facebook. Eine der wichtigen Fragen für Facebook wird es sein, der Regulierung durch die Politik zuvorzukommen. Insbesondere in einem digital rückständigen Land wie Deutschland handelt es sich um ein hohes Risiko. Man denke nur an Google Streetview: Hier gelang es dem Verband der Zeitschriftenverleger im Schulterschluss mit den Verzeichnisdienst-Medien – auch bekannt als Telefonbuch – über die Politik und den Datenschutz den Anbieter Google beim Service Streetview zur optionalen Verpixelung zu zwingen. Die Streetview-Diskussion liegt gerade einmal sieben Jahre zurück und sie wurde erbittert geführt [ htub.de ]. Menschen wurde Angst gemacht. Kriminelle könnten Ziele für Einbrüche auskundschaften und im Internet mit einem Blick ins Schlafzimmer schauen, ob jemand zuhause ist. Einige glauben noch immer, die Bilder auf Streetview sind Live-Bilder. Die Argumente trugen einen Spin, den Google nicht zurückdrehen konnte.

Genau dieses Moment ergreift jetzt Facebook, der Plattform der Wahl für die Verbreitung von Fake-News zum Schüren von Hass. Mögliche Meinungsmanipulationen bei Facebook durch Fake-News sind längst real angenommen. Fake-News bedrohen Europa durch #brexit. Fake-News verhalfen dem Polit-Tölpel Trump ins Amt. Von russischen Hackern gesteuerte Fake-News werden die Wiederwahl von Merkel gefährden. Man muss nur immer wieder behaupten, Facebook tue zu wenig oder das Falsche.

Das ist nicht das, was wir uns vorgestellt haben.
[ Heiko Maas, Bundesjustizminister, ARD-Morgenmagazin ]

Vor einem Jahr wurde die Task Force gegen Hassbotschaften im Internet gegründet. Die Bilanz von Bundesjustizminister Heiko Maas im ARD-Morgenmagazin ist ernüchternd. Sein Ministerium hat nämlich ein externes Monitoring in Auftrag gegeben. Ein Zwischenresultat: Nur 46 Prozent der Hasskommentare, die Nutzer bei Facebook melden, werden auch wirklich gelöscht. Minister Maas will Facebook stärker in die Pflicht nehmen.

Drei Maasnahmen

Deutsches Recht mache es aber möglich, härter durchzugreifen – eine Gesetzesverschärfung sei nicht nötig. Zum einen könnte man Facebook in die Haftung nehmen, wenn es Kenntnis von Einträgen habe und sie nicht lösche.
Aktuell sei der europäische Sitz des US-Unternehmens zwar in der irischen Hauptstadt Dublin. Man könne Facebook aber mit einer Sitzauflage verpflichten, in Deutschland vertreten zu sein, um leichter die Verfasser von Hassposts zu ermitteln.
Außerdem sei eine gesetzliche Berichtspflicht denkbar. Das würde bedeuten, dass Facebook jedes Viertel- oder Halbjahr bekannt geben müsste, wie viele Hasskommentare gemeldet und gelöscht worden sind [ tagesschau.de ].

Rechtsfreier Raum

Die große Erzählung bezeichnet das Internet als rechtsfreier Raum. Alles sei möglich. Alles sieht bei Google, Facebook und Co. gleich gut aus. Egal, ob es wahr ist oder nicht. Dabei bemühen Anwälte das Urheberrecht und das Wettbewerbsrecht, um so manchem Betreiber eines Online-Shops oder eines Weblogs das Leben schwer zu machen. Dazu gesellen sich die Verleger, die Überschriften und Verlinkungen für sich beanspruchen und von Nutzern bezahlt werden möchten.

Eine Lösung könnte sein, Facebook selbst als Medienunternehmen aufzufassen. Facebook bezeichnet sich selbst als Technik-Unternehmen, obwohl redaktionelle Arbeit wie Auswahl, Gewichtung und Distribution einem Medium vergleichbar geleistet wird. Zwar von einer Maschine, aber dem Nutzer ist das augenscheinlich milliarden-fach egal. Dazu kommt noch, dass Facebook die redaktionelle Reichweite mit den Inhalten aus Drittquellen werblich vermarktet. Facebook möchte trotzdem kein Medienunternehmen sein, denn dann könnte nämlich das Presserecht zur Gegendarstellung verpflichten:

henning-tillmann.de: Fake-News: Facebook muss Gegendarstellungen anzeigen

Das ist ein ganz toller Vorschlag, denn Facebook weiss, wer welche Fake-News gesehen hat und müsste die Gegendarstellungen gleichwertig ausspielen. Das wäre sozusagen die umgekehrte Google-Streetview-Verpixelung: ein digitales Grundrecht auf gesicherte und gerichtlich überprüfte transparente Fakten.

Doch bevor die Regulierung kommt, möchte Facebook nun selbst Hoaxes und Fake News angehen.

fb.com: News Feed FYI: Addressing Hoaxes and Fake News

  1. Das Reporting soll einfacher werden.
  2. Berichte sollen als disputed (umstritten) gekennzeichnet werden.
  3. Weitere Verbreitung (sharing) soll erschwert werden.
  4. Spammer-Netzwerke sollen nicht mehr an Einnahmen beteiligt werden.
  5. Algorithmen sollen schlauer werden.

Diese Massnahmen könnten auch Click-Bait erschweren. Das sind irreführende Headlines, die Nutzer zum Klicken verführen, indem besondere Inhalte versprochen werden. Die Schlüsselwörter kennt man aus dem Boulevard: Geheim! Exklusiv! Expertenwissen! Was dann geschehen ist, war einfach unglaublich. Nach der fünften Irreführung musste ich weinen!

Bevor man sich aber freut auf die neue Fake-News-Freiheit bei Facebook, sollte man wissen, die neuen Interface-Elemente werden zunächst an Zielgruppen in den USA getestet. Denn – so Facebook – ohne die kostenlose Mitarbeit der Nutzer und externen Faktencheck-Organisationen wird es nicht gehen.

Update:
Lange hat Bundesjustizminister Maas erfolglos versucht, sich mit Facebook zu einigen. Jetzt plant die Regierung nach den Worten von SPD-Fraktionschef Oppermann ein Gesetz gegen Falschnachrichten. Der Entwurf für ein Gesetz gegen Fake News soll nach der Weihnachtspause erarbeitet werden [ tagesschau.de ].

Weitere Insider-Berichte

sz.de: Inside Facebook. Ein Bericht über die Arbeitsbedingungen beim Dienstleister, der für Facebook und bei Facebook die schmutzigen Bilder und dreckigen Filme sowie traumatisierenden Beschimpfungen entfernen. Ganz so exklusiv wie sz.de behauptet ist die Story nicht, denn mobilegeeks.de hatte bereits vor drei Wochen das Thema bestens abgehandelt.

yahoo.tumblr.com: Yahoo wurde gehackt. Daten von 1 Milliarde Nuter-Konten wurden kompromitiert. Das war bereits im August 2013, also vor und unabhängig von dem Vorfall, der am 22. September 2016 eingestanden wurde.

For potentially affected accounts, the stolen user account information may have included names, email addresses, telephone numbers, dates of birth, hashed passwords (using MD5) and, in some cases, encrypted or unencrypted security questions and answers. The investigation indicates that the stolen information did not include passwords in clear text, payment card data, or bank account information. Payment card data and bank account information are not stored in the system the company believes was affected.
[ Yahoo! ]

internetworld.de: Twitter schließt beide Büros in Deutschland. Weitere Büros in Europa mit der Ausnahme von Dublin sollen zum Jahreswechsel ebenfalls geschlossen werden. Dabei wurde das Berliner Büro von Twitter gerade erst im Sommer eröffnet.

n26.com, uni-erlangen.de:
Sicherheitslücken bei N26 aufgedeckt und nach Berichten über eine Sicherheitsschwachstelle bereits geschlossen.

vice.com: Facebook, Microsoft, Twitter und YouTube möchten eine gemeinsame Datenbank betreiben, mit der Inhalte, die Terrorismus unterstützen aufgespürt und unterbunden werden sollen. Ein spannendes Thema, das sicherlich den Kampf gegen Terror und Fake-News unterstützen helfen wird.