Hightech und Blech

Getty Images ist pleite

Die Schulden drücken und die KI macht die Bilder

Fucking Friday für Fotografen. Die größte Bildagentur der Welt geht in die Insolvenz. Getty Images hat am 12. Oktober ein mit den Gläubigern vorab ausgehandeltes Chapter-11-Verfahren angekündigt. Die Gründerfamilie Getty und Koch Equity Development schießen bis zu 533 Millionen Dollar nach und besitzen danach 100 Prozent. Die Aktionäre gehen leer aus. Seit dem Börsengang per SPAC im Jahr 2022 hat das Papier rund 99 Prozent seines Werts verloren.

Ist die KI schuld? Reuters nennt neben der Schuldenlast ausdrücklich die wachsende Konkurrenz durch KI-generierte Bilder. Gettys eigene Investorenpräsentation stützt das. Bei iStock, dem Massenmarkt für Stockfotos, beklage das Unternehmen sinkende Nachfrage und „Disruption“. Die Zahl der Jahresabos fiel von 321.000 auf 241.000. Getty nennt das eine gewollte Strategie. Man darf das bezweifeln.

Genau hier trifft die generative KI am härtesten. Wer für einen Blogbeitrag eine lächelnde Frau am Laptop braucht, promptet sie heute in zehn Sekunden. Das generische Stockfoto, jahrzehntelang Gettys Brot-und-Butter-Geschäft, ist zur Ware ohne Preis geworden.

Die Bitterkeit liegt im Detail. Getty warf Stability AI vor, Stable Diffusion mit Millionen Getty-Fotos trainiert zu haben. Dass manche KI-Bilder sogar verzerrte Getty-Wasserzeichen trugen, sprach dafür. Genützt hat es nichts. Im November 2025 gab der Londoner High Court weitgehend Stability recht, nachdem Getty die zentralen Urheberrechtsvorwürfe mangels Belegen fallen gelassen hatte. Ein Modell speichere keine Werke, sondern nur Muster, befand das Gericht.

Wer die These sauber prüft, muss allerdings auch die Bilanz lesen. Ende Juni standen 2,1 Milliarden Dollar Schulden gerade einmal 51,6 Millionen Dollar in der Kasse gegenüber. Die geplante Fusion mit Shutterstock scheiterte im Juli an Auflagen der britischen Wettbewerbsbehörde und verschlang über 100 Millionen Dollar an Gebühren. Dazu kamen Zahlungen aus einem Rechtsstreit um Optionsscheine. Im September ließ Getty fällige Zinsen in die Nachfrist laufen. Und ausgerechnet die Nachrichtenfotografie, also echte Bilder von echten Ereignissen, wächst weiter.

Die KI hat Getty also nicht allein erschossen. Sie hat den austauschbaren Bodensatz des Geschäfts entwertet, als das Unternehmen finanziell ohnehin mit dem Rücken zur Wand stand.

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Getty ist eine Fucked Company, aber keine tote. Die Agentur überlebt als Privatbesitz der Gründerfamilie, mit Archiv und Pressefotos. Sterben wird das Stockfoto in seiner Beliebigkeit und mit ihm das Einkommen tausender Fotografen, mit deren Bildern die Maschinen gelernt haben sie zu ersetzen.