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Adblocker blockt und beobachtet

Web Spy-Ware · Bild: Midjourney

Datenschutz am Dienstag. Es klingt wie ein schlechter Witz: Man installiert einen Adblocker, um nicht verfolgt zu werden — und landet damit womöglich im Datennetz des Adblockers selbst. Doch genau das ist für einige der beliebtesten Browser-Extensions nachweislich passiert.

Das bekannteste Beispiel ist Ghostery. Die Extension, jahrelang als Datenschutz-Tool vermarktet, gehörte bis 2017 Evidon — einem Unternehmen, das mit Werbedaten handelte. Nutzer schützten sich vor Tracking, während ihre Browsing-Daten im Hintergrund aggregiert wurden. Nach dem Verkauf an Cliqz hat sich das Geschäftsmodell geändert, das Vertrauen aber nur langsam erholt.
Das strukturelle Problem: Browser-Extensions haben weitreichende Berechtigungen — sie sehen jede besuchte URL, können Inhalte lesen und Anfragen abfangen. Wer einer Extension vertraut, gibt ihr mehr Zugriff als den meisten Apps auf dem Smartphone.

Hinzu kommt das Modell der sogenannten Acceptable Ads: Adblock Plus, Produkt des Unternehmens eyeo, lässt gegen Bezahlung bestimmte Werbung durch. Werbetreibende zahlen, um auf die Whitelist zu kommen. Der Nutzer blockiert — aber selektiv, nach Kriterien, die jemand anderes festlegt.

Die sichere Alternative bleibt uBlock Origin: Open Source, kein Geschäftsmodell hinter den Filtern, keine Acceptable-Ads-Programme. Der Code ist öffentlich einsehbar, die Filterlisten community-geprüft. Für Firefox derzeit die erste Wahl. In Chrome haben Änderungen der Extension-API (Manifest V3) die Möglichkeiten einiger Blocker eingeschränkt — was die Abhängigkeit von Browserherstellern als neue Datenschutz-Variable ins Spiel bringt.

Die Lektion ist ungemütlich. Datenschutz-Tools sind keine neutrale Infrastruktur. Sie sind Produkte mit Eigentümern, Investoren und Geschäftsmodellen. Wer sich schützen will, muss auch den Schutzmechanismus selbst hinterfragen.

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