
Sonntagsfrage bei der Sicherheitskonferenz. Die einen nennen es politisches Speed-Dating, andere sprechen von inoffizieller Schattendiplomatie und weltpolitischer Nabelschau, wenn die privat veranstaltete Munich Security Conference 2026 (13-15.2) einlädt in die bayrische Landeshauptstadt. Die Münchner Sicherheitskonferenz 2026 hat die Spannungen einer ausfransenden Weltordnung offengelegt, zugleich aber den politischen Willen signalisiert, die transatlantische Achse nicht preiszugeben. Zwischen der Programmatik A World Order for the Next Generation und der Rede von US-Außenminister Marco Rubio bleibt damit ein ambivalentes Bild: der Anspruch auf Erneuerung trifft auf die Realität wachsender Risiken an Europas Rändern, allen voran in der Ukraine.
Rubio hat in München die transatlantische Partnerschaft rhetorisch neu eingerahmt: Wir gehören zusammen, die USA strebten keine Trennung an, sondern die Wiederbelebung einer alten Freundschaft und wollten ein neues Jahrhundert des Wohlstands an der Seite eines selbstbewussten Europa gestalten. Zugleich fordert Washington unmissverständlich stärkere europäische Eigenleistung in der Verteidigung – die USA wollen keine schwachen Verbündeten, sondern Partner, die militärisch wie politisch eigenständig handlungsfähig sind. Hinter der versöhnlichen Rhetorik steht damit die Fortsetzung eines Kurses, der Europas Sicherheit weniger als amerikanische Bringschuld, sondern als gemeinsamen, künftig asymmetrisch verteilten Auftrag definiert, fasst taz.de zusammen.
Für die Ukraine ist diese Verschiebung existenziell. Der Krieg bleibt Prüfstein der Glaubwürdigkeit jeder Weltordnung für die nächste Generation: Ohne verlässliche militärische, ökonomische und politische Unterstützung droht nicht nur Kiew, sondern auch das Baltikum und Polen in den Radius russischer Einschüchterung und möglicher Aggression zu geraten. Konferenzbeiträge haben daran erinnert, dass effektive Abschreckung zur Lebensversicherung Europas geworden ist – jedoch in einer Situation, in der die USA strategisch primär im Konkurrenzverhältnis zu China denken und ihre Rolle als Sicherheitsgarant für Europa politisch umstritten bleibt.
Die Sicherheitsarchitektur an den Rändern Europas – vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee – steht damit vor einer doppelten Belastungsprobe: dem fortgesetzten revisionistischen Druck aus Moskau und der graduellen Relativierung amerikanischer Sicherheitszusagen. Wenn die Weltordnung der nächsten Generation mehr sein soll als eine rhetorische Kulisse, muss Europa die von Rubio eingeforderte strategische Emanzipation annehmen, ohne den transatlantischen Rahmen zu sprengen – und sie vor allem in der Ukraine, dem derzeitigen Epizentrum der Ordnungskrise, konkret machen.

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