
Social-Media-Mittwoch. Frankreich hat 2023 mit dem Konzept der Majorité Numérique eine digitale Volljährigkeit eingeführt. Unter 15-Jährige benötigen die Zustimmung eines Elternteils, um Social-Media-Konten zu erstellen. Ein ambitionierter Ansatz – aber wie tragfähig ist er wirklich?
Der Grundgedanke ist überzeugend: Kinder und Jugendliche sind auf Plattformen wie TikTok oder Instagram nachweislich erhöhten Risiken ausgesetzt – von Cybermobbing über Essstörungen bis hin zu Suchtmechanismen durch algorithmisches Design. Ein rechtlicher Rahmen zwingt Plattformen zumindest formal in die Verantwortung. Frankreich setzt damit ein politisches Signal, das andere Länder inspirieren kann – Australien etwa zog 2024 mit einem noch strengeren Verbot bis zum Mindestalter von 16 Jahren nach. Zudem stärkt die Regelung die Rolle der Eltern: Sie werden aktiv in die digitale Sozialisation ihrer Kinder eingebunden, statt das Thema dem Algorithmus zu überlassen.
Die Umsetzung ist das eigentliche Problem. Eine zuverlässige Altersverifikation im Netz ist technisch schwierig und datenschutzrechtlich heikel – wer das Alter prüft, erfasst zwangsläufig sensible Nutzerdaten. Jugendliche, die motiviert genug sind, umgehen solche Hürden routiniert: mit falschen Geburtsdaten, VPNs oder den Accounts älterer Geschwister. Hinzu kommt, dass ein pauschales Verbot keine Medienkompetenz vermittelt. Wer mit 15 unvorbereitet ins digitale Leben startet, ist möglicherweise genauso gefährdet wie vorher – nur später.
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Die Majorité Numérique ist kein Allheilmittel, aber auch kein bloßer Aktionismus. Sie funktioniert am besten als Teil eines größeren Konzepts: flankiert von Medienbildung in Schulen, technischen Standards für Plattformen und echter Durchsetzung. Als alleinige Maßnahme bleibt sie ein gut gemeinter, aber löchriger Schutzwall.

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