
Rund 4,4 Billionen Euro ist Apple wert — mehr als das Doppelte des DAX
Finanzen am Freitag. Tim Cook verabschiedet sich als Apple-Chef auf dem Zenit. Für den Nachfolger John Ternus ist sein Erbe kein Geschenk, sondern eine Messlatte. Es war sein neunzigster und letzter Auftritt in dieser Rolle. Am Donnerstagabend moderierte Tim Cook zum letzten Mal als CEO eine Apple-Bilanzkonferenz — und beschloss damit eine Ära, die 2011 begann. Am 1. September rückt Hardware-Chef John Ternus an die Spitze, Cook wechselt in die Rolle des Executive Chairman. Bezeichnend: Ternus, der Erbe, sagte auf der Schaltung kein Wort. Der scheidende Chef bekam die Bühne allein.
Und was für eine Bühne. Zwei Tage vor seinem Abschied streifte Apple erstmals die Marke von fünf Billionen Dollar Börsenwert — als zweites Unternehmen der Geschichte nach Nvidia, dessen Krone Cupertino kurz zuvor zurückerobert hatte. Für deutsche Verhältnisse ist diese Zahl kaum zu fassen: Rund 4,4 Billionen Euro ist Apple wert — mehr als das Doppelte der gesamten Marktkapitalisierung aller vierzig DAX-Konzerne zusammen (gut 2,1 Billionen Euro). Ein einziges kalifornisches Unternehmen wiegt schwerer als SAP, Siemens, Allianz, die Autobauer und der Rest der deutschen Börsen-Elite in Summe.
Cooks vierzehn Jahre haben Apples Wert um weit über vier Billionen Dollar gesteigert — mehr Zuwachs, als die meisten Volkswirtschaften an Jahresleistung erbringen. Die Rekordzahlen des Quartals, die er zum Abschied präsentierte, seien hier nur am Rande erwähnt: 109,4 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von sechzehn Prozent, dazu ein Services-Rekord von 30,7 Milliarden. Ein Bilderbuchabgang.
Doch genau darin liegt Ternus‘ Problem. Wer auf dem Gipfel übernimmt, kann nur absteigen. Cooks eigentliches Vermächtnis ist eine Wette: Während Google, Microsoft und Amazon dreistellige Milliardenbeträge in KI-Rechenzentren versenken, hat Apple die teure Infrastruktur gemieden und setzt darauf, künstliche Intelligenz über längst verkaufte Geräte auszuliefern — margenschonend, kapitalleicht. Das neue, von Googles Gemini betriebene Siri soll diese Strategie beweisen. Noch ist es Beta.
Und der Ernstfall fällt ausgerechnet in Ternus‘ erste Wochen: Im September startet Siri gemeinsam mit dem iPhone 18. Gelingt der Wurf, ist Cook der Stratege, der Apple kapitaldiszipliniert durch die KI-Euphorie steuerte. Misslingt er, erbt Ternus den Verdacht, Cupertino habe technologische Führung gegen Bilanzkosmetik getauscht.
Cook geht als Sieger. Die Messlatte, die er hinterlässt, hängt bei fünf Billionen — und die Beweislast trägt sein Nachfolger.

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