
Deals am Donnerstag. Es ist ein Bild, das Geschichte schreibt und gleichzeitig irritiert: Donald Trump, flankiert von Elon Musk, Tim Cook und Jensen Huang, landet auf dem Pekinger Hauptstadtflughafen. Empfangen wird er mit Blaskapelle und Fahnenträgern. Vizepräsident Han Zheng begrüßte Trump auf dem Rollfeld, während Musk und Huang Seite an Seite standen. Was wie ein Staatsbesuch klassischer Prägung aussieht, ist in Wahrheit ein Deal-Room auf Weltniveau — mit offenem Ausgang und enormen Risiken.
Auf der Agenda stehen Handel, Künstliche Intelligenz, Exportkontrollen, Taiwan und der Krieg gegen den Iran. Selten hat eine Reise so viele tektonische Spannungslinien auf einmal berührt. Dass Trump ausgerechnet Tech-Bosse mitgenommen hat, ist kein Zufall — es ist Methode. Für viele dieser Milliardäre ist China sowohl ein unverzichtbares Produktionszentrum als auch ein riesiger Absatzmarkt, den sie trotz eskalierender Handelskonflikte nicht aufgeben wollen.
Das Kalkül ist durchsichtig: Die CEOs liefern wirtschaftliches Gewicht, Trump bekommt Verhandlungsmasse. Xi Jinping weiß das — und empfängt die Delegation trotzdem. Denn auch Peking braucht Stabilität, zumindest nach außen. Die USA und Israel befinden sich im Krieg mit dem Iran, eine globale Energiekrise überschattet den Gipfel. Trump soll Xi drängen, den Iran zu einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus zu bewegen. Das ist eine Bitte, die Peking in eine paradoxe Lage bringt: Einerseits ist der Iran ein strategischer Partner, andererseits leidet Chinas eigene Wirtschaft unter hohen Energiepreisen.
Der auffälligste Gast ist Jensen Huang von Nvidia — zunächst nicht auf der Einladungsliste, stieß er in Alaska kurzfristig zur Delegation. Seine Anwesenheit ist hochpolitisch: Halbleiter sind der heiße Kern des Technologiekrieges zwischen Washington und Peking. Exportrestriktionen, Gegensanktionen, seltene Erden als Druckmittel — dieser Konflikt wird keinen Handschlag lösen.
Und Taiwan? Das Thema schwebt über allem wie ein Damoklesschwert. Kein Kommuniqué wird es auflösen. Eher wird Peking Signale setzen — und Washington schweigen, so lange die Deals stimmen.
Das eigentliche Problem dieser Reise ist struktureller Natur: Wenn Konzerninteressen und Geopolitik so untrennbar verschmelzen wie hier, verliert Außenpolitik ihren moralischen Kompass. Was als Handelsdiplomatie verkleidet wird, ist letztlich ein Pakt der Mächtigen — auf Kosten kleinerer Staaten, offener Gesellschaften und strategischer Klarheit. Der Gipfel in Peking wird keinen Frieden bringen. Er wird die Konflikte nur teurer machen.

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