
Lake Ontario wird Lake America. Apple und Google ändern brav ihre Karten
#fuckingfriday. Donald Trump hat am 27. August einen Great Lake umbenannt. Aus Lake Ontario wird per Erlass Lake America, mitten im eskalierenden Handelskrieg mit Kanada. Es ist die Fortsetzung von Gulf of America aus dem Januar 2025, nur eine Nummer dreister, weil der See zur Hälfte auf kanadischem Gebiet liegt.
Und was tun die großen US-Konzerne? Sie machen mit. Google änderte den Namen am Samstag, Apple am Dienstag. In den USA sehen Nutzer jetzt Lake America, in Kanada bleibt es Lake Ontario, im Rest der Welt stehen beide Namen nebeneinander.
Das Entscheidende steht selten in den Meldungen. Niemand hat die Konzerne dazu gezwungen. Der Erlass regelt allein, wie US-Bundesbehörden ein Gewässer nennen. Für Apple und Google hat er null bindende Wirkung. Ihre Anpassung war eine freie Entscheidung.
Google verkauft den Kotau als Routine. Man folge lediglich der langjährigen Praxis für Gewässer mit länderabhängigen Namen, heißt es. Das ist die Pointe des digitalen Zeitalters. Ein autoritärer Willkürakt wird durch einen scheinbar neutralen Datenbankeintrag gewaschen und sieht hinterher aus wie schlichte Verwaltung.
Bei Apple wird es noch peinlicher. Laut Axios habe Trump den Konzern direkt aufgefordert nachzuziehen. Vollzogen wurde die Änderung ausgerechnet am ersten Amtstag des neuen CEO John Ternus. Ein Antrittsgeschenk ans Weiße Haus. Dass es auch anders geht, führt ausgerechnet ein Nostalgie-Dienst vor. MapQuest weigerte sich öffentlich und behielt Lake Ontario bei. Prompt schoss die App an die Spitze von Apples App Store. Ein Zwergenanbieter traut sich, was zwei der wertvollsten Unternehmen der Welt sich nicht trauen.
Trump tauft Lake Ontario in Lake America um, Apple und Google spielen freiwillig mit, obwohl nichts sie zwingt. MapQuest beweist, dass Haltung möglich gewesen wäre. Und dieselben Konzerne, die Brüssel Souveränitätsanmaßung vorwerfen, folgen Washington ohne Zögern.
Und hier wird es für uns in Europa interessant. Dieselben Konzerne, die jede Regel aus Brüssel als Übergriff geißeln, die DMA und DSA als Anmaßung europäischer Bürokraten framen, knicken bei einer Laune aus Washington binnen Tagen ein. Regulierung im Namen der Demokratie ist ihnen ein Gegner. Ein Federstrich im Dienst der Willkür ist ihnen ein Update. Das ist digitaler Imperialismus in Reinform, und er zeigt, wessen Interessen diese Plattformen im Ernstfall bedienen. Wer damit autoritäre Kräfte bekämpfen will, sollte sich keine Illusionen über die Infrastruktur machen, auf der er dabei steht.

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