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Saubere Zukunft

Volkswagen Käfer

Auto-Kartelle. Wie kann die Automobil-Industrie vertrauensvoll in eine saubere, grüne Zukunft geführt werden, wenn ihre Vergangenheit so braun und so schmutzig ist?

Den Anschein von Kumpanei können Politik und Autoindustrie nicht ablegen. Bundesumweltministerin Barabara Hendricks ist ungewöhnlich hart mit der deutschen Autobranche und der Beziehung zwischen Politik und Herstellern ins Gericht gegangen. Die Vorwürfe zu möglichen illegalen Kartellabsprachen hätten weiteres Vertrauen zerstört, sagte die SPD-Politikerin in Wolfsburg nach einem Gespräch mit VW-Konzernchef Matthias Müller. Es gebe „offenbar hier oder da Missstände im Management“ der Autobauer [ tagesschau.de ].

Die brasilianische VW-Tochter Volkswagen do Brasil hat Mitarbeiter ausgespäht und sie aufgrund ihrer politischen Gesinnung der brasilianischen Militärdiktatur, die von 1964 bis 1985 herrschte, übergeben. Das ist das Ergebnis von Recherchen. Den Opfern drohte Folter – VW hat sich bis heute dafür nicht entschuldigt [ deutschlandfunk.de ].

Während politisch Linke unter den VW-Arbeitern vom Werkschutz ausgespäht wurden und Informationen über sie bei der Geheimpolizei des Militärregimes landeten, ließ man den Kriegsverbrecher Stangl in Ruhe. […] Der ehemalige NS-Kommandant Stangl hat nach seiner Flucht jahrelang bei Volkswagen in Brasilien gearbeitet. Man habe nichts von dessen Vergangenheit gewusst, behauptet der Konzern. Nach Stangls Verhaftung empfahl VW ihm aber noch einen Anwalt [ tagesschau.de ].

Tatsächlich war [auch] die Politik der Siegermächte gegenüber den deutschen Industriellen höchst widersprüchlich. Die Westmächte wollten Deutschland entmilitarisieren und demokratisieren, es war ihnen aber ebenso sehr daran gelegen, dass das besiegte Land wirtschaftlich schnell auf die Beine kam. Eine Wiederaufnahme der Produktion erhielt bald Vorrang vor dem Wunsch, die Wirtschaftselite gründlich zu säubern. Davon profitierten Unternehmer wie Günther Quandt. Die Nürnberger Industriellenprozesse von 1947 an waren vor allem symbolische Akte. Und auch die dort zu Haftstrafen verurteilten Unternehmer Alfried Krupp und Friedrich Flick saßen schon Anfang der fünfziger Jahre wieder in ihren alten Positionen [ zeit.de ].

Günther Quandt war keiner von Hitlers Steigbügelhaltern. Aber er arrangierte sich schnell mit den neuen Machthabern und trat am 1. Mai 1933 der NSDAP bei. Verglichen mit anderen Unternehmern, sprang Quandt früh auf den Zug auf, der Industrielle Friedrich Flick sollte erst vier Jahre später diesen Schritt tun [ zeit.de ].

In der Zeit des Nationalsozialismus vermehrte und vergrößerte Günther Quandt den Familienbesitz teils auf Kosten unrechtmäßig enteigneter, meist jüdischer Konkurrenten und wurde zu einem großen Produzenten von Rüstungs- und Industriegütern im Dritten Reich. Die Quandts profitierten im Zweiten Weltkrieg vom Zwangsarbeitereinsatz in ihren Fabriken. […] Das heutige Vermögen der Familie Quandt beruht vor allem auf Investitionen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere auf dem Engagement von Herbert Quandt bei der Sanierung des Automobilherstellers BMW Anfang der 1960er Jahre. Der mit Abstand größte Teil des Quandt-Vermögens besteht heute in der Beteiligung an BMW [ wikipedia.org ].

NS-Verbrecher Adolf Eichmann wurde 1960 von israelischen Agenten in Argentinien gefasst; offenbar hätte er aber bereits viel früher verhaftet werden können. Seit 1952 wusste der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND), der damals noch Organisation Gehlen hieß, wo sich Eichmann versteckte [ derstandard.at ].

[Bei] Mercedes-Benz Argentina (MBA) [waren] zwischen 1976 und 1983 14 Betriebsräte ermordet worden. Die MBA-Manager hatten zudem bei der Ausstattung der Folterkammern geholfen. […] MBA war 1951, während der Regierung von General Perón gegründet worden. Perón hatte Tausenden Nazis Unterschlupf gewährt, von denen viele für deutsche Unternehmen arbeiteten, die so ihr während des III. Reiches verstecktes Geld wuschen. […] MBA hatte Adolf Eichmann 1959 unter dem Namen Ricardo Klement angestellt. Man kannte seine Vergangenheit, seine Kinder gingen unter dem Namen Eichmann auf die Deutsche Schule. Warum auch sich verstecken? Argentinien lieferte die „Politischen“ nicht aus, Interpol verweigerte die Mithilfe und vor allem: Damals verjährte Mord nach 20 Jahren. Die Nazis sahen sich als Regierung im Wartestand, die spätestens 1965 ihr Exil verlassen und zurückkehren wollten [ freitag.de ].

Bezogen auf die Kartellvorwürfe und zum Abgasbetrug sagt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil:

Wir sind gerade inmitten eines großen Lernprozesses – gerade auch auf Seiten der Industrie. Das Einhalten von Regeln muss zwingend sein.
[ Stephan Weil, heute.de ]

Gemessen am Umsatz ist die Autobranche der mit Abstand bedeutendste Industriezweig in Deutschland: Die Unternehmen erwirtschafteten 2016 einen Umsatz von mehr als 405 Milliarden Euro. Das entspricht rund 23 Prozent des gesamten Industrieumsatzes. Mittelständisch geprägte Zulieferer sind für den Großteil der Wertschöpfung – etwa 70 Prozent – verantwortlich. Insgesamt werden mehr als 1.300 Unternehmen der Branche zugerechnet.
Wenn man das rechte Auge zudrückt, sind das bestimmt saubere Geschäfte.

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