
Im Bund bei 30, in Bayern bei 21 Prozent
Sonntagsfrage. Zwei Wochenenden lang hat die Union Aufbruch inszeniert. Beim Deutschlandtag der Jungen Union in Bonn, dann beim CSU-Parteitag in München. Minutenlange Standing Ovations für einen Kanzler, mit dem laut ARD-Deutschlandtrend zehn Prozent der Wahlberechtigten zufrieden sind. Merz rief den Delegierten zu, man schaue nicht auf die Umfragen. Das ist immerhin konsequent. Wer hinschaut, sieht in der neuen INSA-Erhebung die AfD bei 30 Prozent und CDU und CSU bei 19 Prozent.
Mir begegnen in diesen Tagen häufig Menschen, die mir sagen: ‚Lassen Sie sich nicht entmutigen, halten Sie durch. Schauen Sie nicht jeden Tag auf die Umfragen. Tun Sie, was Sie für richtig und für notwendig halten.’
[ Friedrich Merz, CDU ]
Und was macht die Union mit diesem Befund? Sie entdeckt den Feind links. Söder warnt, die blaue Welle rolle und die rote Front komme. Regiere in Berlin die Linke mit, solle es keine Kohle mehr aus dem Länderfinanzausgleich geben. Bestraft würden dabei keine Regierungen, sondern Wählerinnen und Wähler. Ein Ministerpräsident, der Bundesländer für ihre Wahlergebnisse in Haftung nimmt, sollte vorsichtig sein, wen er einen Verfassungsfeind nennt.
So hart es ist, wir müssen kämpfen.
[ Markus Söder, CSU ]
Ein Verbotsverfahren gegen die AfD lehnt Söder dagegen ab. Man müsse in den argumentativen Nahkampf. Nur fehlen die Argumente genau dort, wo Menschen leben. 74 Prozent wollen die Rente mit 63 behalten, Merz und Söder wollen sie abschaffen. 77 Prozent spüren immer mehr Belastungen. Die Antwort aus München ist eine Modellrakete Made in Bayern fürs Kanzleramt. Söder selbst sagte, wer am Volk vorbeirede, müsse sich nicht wundern, wenn das Volk vorbeiwähle. Selten hat ein Redner sein eigenes Publikum so präzise beschrieben.
Das wird in den nächsten Monaten – und vielleicht Jahren – nicht einfacher, auch parteipolitisch nicht. Wir sind als Union in keiner einfachen Lage, auch nicht strategisch. Es gibt für uns kein Exklusivrecht auf das Kanzleramt oder auf die Regierung. Wir werden kämpfen müssen. Wir werden uns gemeinsam Stück für Stück dort wieder herausarbeiten müssen.
[ Friedrich Merz, CDU ]
Bleibt die Personalie. Während das Vertrauen zerbröselt, ringt die Union darum, ob Ilse Aigner Bundespräsidentin wird. Eine Frau im Schloss Bellevue sei überfällig. Sie ändert aber nichts daran, dass die Parteien, die sie nominieren, gerade den Kontakt zur Lebenswelt verlieren.
< tl;dr />
Die Union sucht ihre Erfolge im Applaus der eigenen Delegierten und ihre Feinde auf der linken Seite. Profitieren wird davon nur eine Partei, und die steht rechts.

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