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„Lügenpresse“

Wahrheit-von-den-Medien

Lügenpresse ist das Unwort des Jahres 2014. Zudem werden die „erweiterte Verhörmethoden“ und „Russland-Versteher“ gerügt. In der Begründung der unabhängigen Jury der Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres wird angeführt:

Das Wort „Lügenpresse“ war bereits im Ersten Weltkrieg ein zentraler Kampfbegriff und diente auch den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien. Gerade die Tatsache, dass diese sprachgeschichtliche Aufladung des Ausdrucks einem Großteil derjenigen, die ihn seit dem letzten Jahr als „besorgte Bürger“ skandieren und auf Transparenten tragen, nicht bewusst sein dürfte, macht ihn zu einem besonders perfiden Mittel derjenigen, die ihn gezielt einsetzen. Dass Mediensprache eines kritischen Blicks bedarf und nicht alles, was in der Presse steht, auch wahr ist, steht außer Zweifel. Mit dem Ausdruck „Lügenpresse“ aber werden Medien pauschal diffamiert, weil sich die große Mehrheit ihrer Vertreter bemüht, der gezielt geschürten Angst vor einer vermeintlichen „Islamisierung des Abendlandes“ eine sachliche Darstellung gesellschaftspolitischer Themen und differenzierte Sichtweisen entgegenzusetzen. Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit, deren akute Bedrohung durch Extremismus gerade in diesen Tagen unübersehbar geworden ist.

Lügenpresse ist es zum Beispiel auch, wenn Merkel und Hollande an einem Trauermarsch teilnehmen und die mediale Inszenierung den Eindruck erweckt, die Herrschaften würden den solidarischen Protestzug in Paris anführen.

2015-01-12-independent

Wo die sind, ist nämlich keineswegs vorne, sondern Seitenstraße. Abgesperrter Sonderbereich. In Szene gesetzt, wie independent.co.uk als eine der ersten Zeitungen meldet.

Deutsche Medien schalten sich ein: Ein gestelltes Foto darf Geschichte schreiben. Immerhin stehen sie auf dem Bild. Denn – wie in der Spiegelung auf dem Plakatkasten zu erkennen – steht die Ampel auf Rot.

NATO Secretary General attends unity rally in Paris

NATO Secretary General attends unity rally in Paris (Bild NATO)

Wenn sich die freie Presse ein bisschen Glaubwürdigkeit zurückholen möchte, dann brauchen wir eine Kennzeichnung von gen-technische veränderten Lebensmitteln und von ge-photoshop-ten und gestellten Bildern. Der Chef-Redakteur der Tagesschau klingt trotzdem sehr gereizt:

Kritiker bemängeln, dass die Darstellung der Staats- und Regierungschefs am Sonntag in Paris eine reine Inszenierung gewesen sei. […] Wenn sich Politiker vor eine Kamera stellen, ist das immer eine Inszenierung, jede Pressekonferenz ist eine Inszenierung. […] Kein Foto zeigt “die” Realität. Jedes Foto zeigt einen Ausschnitt, und gleichzeitig gibt es viel mehr, was das Foto nicht (!) zeigt. Das ist kein Frisieren, kein Zensieren und kein Inszenieren. Das ist Journalismus, das ist die Auswahl von Bildern, Ausschnitten und Fakten. […] Ich wehre mich dagegen, über jedes Stöckchen zu springen, dass uns Verschwörungstheoretiker hinhalten. Denn sonst sickert noch viel mehr des Giftes der Furcht in unseren Berufsstand ein. Denn diese Diskussionen hinterlassen Spuren in den Redaktionen. Statt unser Bewusstsein für Qualitätsjournalismus zu schärfen, sind sie dazu angetan Redaktionen zu verunsichern.
[ blog.tagesschau.de .. ]

Das ist ein spannendes Moment. Wir werden Zeuge einer Disruption. Aus Sicherheitsgründen ist die Inszenierung von Politik real. Dabei hat seine Bildredaktion nicht Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel und anderes Weibsvolk aus dem Bild nehmen lassen.

2015-01-13-haaretz

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