
Das 25. Studioalbum der Rolling Stones erschien gestern (10.7). Die Stones covern die Stones
Showtime am Samstag. Es gibt zwei Arten, das 25. Studioalbum der Rolling Stones zu hören, und beide stimmen. Die erste: Foreign Tongues ist der krönende Beweis, dass eine Band mit über sechzig Dienstjahren ihr eigenes Genre so perfekt beherrscht, dass sie es im Schlaf reproduziert. In unter vier Wochen im Londoner Metropolis-Studio eingespielt mit Andrew Watt am Regler. Hier klingt jeder Riff wie ein Riff, den Keith Richards schon 1972 hätte spielen können – und das ist als Kompliment gemeint. In the Stars schiebt, Rough and Twisted grätscht, und Jaggers Stimme trägt mit einer Unverfrorenheit, die man Achtzigjährigen eigentlich verbieten sollte.
Die zweite Lesart ist kälter: Das ist Plastik-Rock, hochglanzpoliert bis zur Seelenlosigkeit. Watt produziert die Stones, wie er Post Malone produziert – tight, laut, radiotauglich, jede Ecke weggeschliffen. Die Gästeliste mit Paul McCartney, Winwood, Robert Smith und Chad Smith liest sich weniger wie eine Session als wie ein Marketing-Deck. Und ein Album, das in einem Monat entsteht und trotzdem nach Manufaktur klingt, hat sich seine eigene Spontaneität wegproduziert.
Wahr ist wohl beides – und genau das macht die Platte interessanter, als sie sein müsste. Denn dazwischen liegen die Momente, an denen die Rechnung nicht aufgeht: Charlie Watts, aus seinen letzten Sessions von 2021 herausgeschnitten, spielt hier posthum, und keine Software ersetzt das. Dann eine Amy-Winehouse-Coverversion, an der Ronnie Wood hörbar hängt. Das ist kein Plastik. Das ist Abschied zwischen Meisterwerk und Selbstplagiat.
Foreign Tongues ( CD, 19 Euro ) verkauft sich mit der großen Geste des Letzten – Weltplakatkampagne, Charlies finale Aufnahmen. Nur dass Richards längst dementiert: Es gebe noch zehn Songs. Der krönende Abschluss ist also vor allem eine Pose. Eine verdammt gute allerdings.

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