
Drei Wege in eine europäische Timeline – und was Souveränität jeweils wirklich bedeutet
#twittwoch auf dem AT-Protocol.
In einem Interview mit dem Portal cybernews.com verteidigt Anna Zeiter, CEO der europäischen X-Alternative W Social, kürzlich (3.7) das umstrittenste Merkmal ihrer Plattform: die Pflicht, für die öffentliche Teilnahme Reisepass oder Selfie hochzuladen. Das ist der Anlass, drei Wege auf eine europäische Timeline nebeneinanderzulegen – W Social, EuroSky und Bluesky. Alle drei laufen auf demselben Unterbau, dem AT Protocol von Bluesky. Der Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern in zwei Fragen: Wie beweist man, dass man ein Mensch ist? Und wo liegen am Ende die eigenen Daten? Genau daran fallen die drei auseinander – und genau daran misst sich, was jede von ihnen unter Souveränität versteht.
W Social mit Türsteher
W Social, seit Davos 2026 als profitorientierte europäische X-Alternative unterwegs, verlangt am meisten: Wer öffentlich mitreden will, lädt in der Begleit-App W Identity Reisepass oder biometrisches Selfie hoch. CEO Anna Zeiter, früher Professorin für Datenschutzrecht in Bern, betont, W speichere keine Passdaten; die Technik prüfe nur Mensch und Volljährigkeit – wie eine Einlasskontrolle im Club. Anonym beitreten könne man, dürfe dann aber nur lesen und liken. Das Problem sitzt tiefer: Laut Cybernews gelte das in Europa gehostet nur für Kontodaten – Posts könnten außerhalb der EU synchronisiert werden. Und W hat seinen Code aus dem offenen Zugang zurückgezogen. Höchste Hürde beim Eintritt, schwächste Garantie beim Verbleib. Dass die EU-Kommission ausgerechnet hierher ihren Personal Data Server migriert hat – von der Leyen, EZB, Lagarde inklusive –, macht die Sache nicht besser.
EuroSky mit Boden unter den Daten
EuroSky ist keine App, sondern Infrastruktur: ein gemeinnütziges Projekt aus den Niederlanden (Modal Foundation, Teil von Free Our Feeds), das Personal Data Server auf europäischem Boden, europäischer Cloud und unter DSGVO betreibt. Die Idee: Wer die Daten physisch in der EU hält, entzieht sie dem Kill Switch fremder Regierungen. Mit der App Mu existiert längst ein vollständig EU-basierter, quelloffener Zugang zum selben Netzwerk. EuroSky verlangt keinen Pass und macht kein Aufheben um Verifizierung – es löst das eigentliche Souveränitätsproblem an der Wurzel, dort wo Speicherort, Moderation und Quellcode liegen. Der Haken: Es ist Infrastruktur für Entwickler, kein Massenprodukt mit Marketingbudget. Wer am lautesten Souveränität ruft, kennt EuroSky oft nicht – und wählte trotzdem W.
Bluesky – wenigstens ehrlich amerikanisch
Bluesky, die US-amerikanische Public Benefit Corporation hinter dem AT Protocol, kennt gar keine Ausweispflicht. Verifizierung heißt hier Domain-Self-Verification: Man setzt einen DNS-TXT-Eintrag (_atproto) und macht die eigene Domain zum Handle – aus @name.bsky.social wird @parthesius.de. Kein Amt, keine Behörde, in Minuten erledigt, über jede AT-Protocol-App hinweg portabel. Man beweist nicht, wer man ist, sondern was man kontrolliert – und das ist bei einem Blog oder einer Redaktion oft die ehrlichere Aussage. Souverän im Sinne europäischer Datenhaltung ist Bluesky damit nicht: Infrastruktur und Moderation sitzen in den USA. Aber Bluesky behauptet das Gegenteil auch nicht. Es verkauft keine Souveränität, es verkauft ein offenes Protokoll – und überlässt den Speicherort dem Nutzer.
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Souveränität misst sich nicht an der Einlasskontrolle, sondern daran, wo die Daten liegen und wem der Code gehört. W Social verlangt den Pass und liefert die schwächste Garantie. Die Daten landen womöglich trotzdem außerhalb der EU. EuroSky verlangt nichts und liefert am meisten: EU-Boden, DSGVO, offen. Bluesky ist ehrlich amerikanisch und lässt die Wahl beim Nutzer. Dass die EU-Kommission die Pass-Variante mit dem geschlossensten Code wählte, ist die eigentliche Pointe. Ursula von der Leyen entscheidet sich für die Inszenierung von Souveränität statt für ihre Substanz.

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