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Musk zahlt, Texas wählt

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200 Millionen Dollar von Elon Musk in Texas. Sein Kandidat hat trotzdem verloren

Down the Drain. Rund 200 Millionen Dollar hat Elon Musk in ein einziges Senatsrennen bei den Midterms 2026 gesteckt. Sein Kandidat hat trotzdem verloren. Die Midterms erinnern an 1974, aber das Pendel schlägt nicht ins andere Extrem. Die Amerikaner haben vor allem für Kontrolle gestimmt.

Wer am Mittwochmorgen deutscher Zeit auf die Karten der US-Sender schaute, sah Blau an Stellen, an denen seit Jahrzehnten nur Rot stand. Die Demokraten übernehmen im Januar beide Kammern des Kongresses. NBC News sieht sie im Senat bei 54 Sitzen, sieben mehr als bisher. Im Repräsentantenhaus rechnet der Sender mit mindestens 255 Sitzen, so vielen wie seit 1993 nicht mehr. Gewonnen haben sie in Iowa, Kansas, Maine, North Carolina, Ohio, South Carolina und Texas. Kansas schickt erstmals seit 1932 wieder einen Demokraten in den Senat.

Der Vergleich mit 1974 liegt nahe. Damals, wenige Monate nach dem Rücktritt Richard Nixons im Watergate-Skandal, gewannen die Demokraten 49 Sitze im Repräsentantenhaus hinzu. Im Senat waren es drei, mit der Nachwahl in New Hampshire 1975 vier. Im Haus bleibt 2026 nach den bisherigen Hochrechnungen etwas unter der Watergate-Welle. Im Senat übertrifft es sie deutlich. Und wie 1974 ging es den Wählern nicht nur um Programme, sondern um Anstand. Die AP nennt hohe Preise, den Krieg im Iran und Sorgen über Korruption in der Regierung als Treiber.

Nirgends lässt sich das so gut beobachten wie in Texas. Der Demokrat James Talarico, 37 Jahre alt, früher Lehrer an einer Middle School und Presbyterianer mit Theologiestudium, hat den republikanischen Generalstaatsanwalt Ken Paxton geschlagen. Er ist der erste Demokrat seit Lloyd Bentsen 1988, der in Texas einen Senatssitz gewinnt. Bentsen gewann damals ein halbes Jahr vor Talaricos Geburt.

Paxton war kein gewöhnlicher Kandidat. Er war 2023 vom eigenen, republikanisch dominierten Parlament angeklagt und im Senat von Texas freigesprochen worden. Ein Betrugsverfahren endete mit einem Deal. In der Stichwahl hatte er den langjährigen Senator John Cornyn verdrängt, mit Trumps Unterstützung eine Woche vor dem Termin.

Dann kam das Geld. Laut einer Auswertung der New York Times, die die Texas Tribune zitiert, habe Musk mehr als 200 Millionen Dollar aufgewendet, um Paxton ins Amt zu bringen. Der Senate Leadership Fund, das wichtigste Wahlkampfvehikel der republikanischen Senatoren, habe seine 188 Millionen Dollar schwere Kampagne in Texas fast vollständig aus Musks Taschen bestritten. Trumps eigene Organisation MAGA Inc. legte noch einmal 43,3 Millionen Dollar dazu. Über Vorwahl und Hauptwahl hinweg erreichten die Werbeausgaben nach Zählung von AdImpact fast 590 Millionen Dollar. Kein Rennen außerhalb einer Präsidentschaftswahl war je teurer.

Über den gesamten Wahlzyklus habe Musk nach Berechnung der Times 474 Millionen Dollar an politische Gruppen gegeben. Das ist ein Rekord für einen einzelnen Spender. Im Mai 2025 hatte er noch angekündigt, er werde künftig deutlich weniger für Politik ausgeben.

Die Pointe liefert die republikanische Spendenwerbung selbst. Das National Republican Senatorial Committee warb mit Musk als Flüchtling aus Kalifornien, dessen neue Heimat Texas nun von linken Demokraten erobert werden solle. Genau das ist passiert. Texas bekommt nicht nur einen demokratischen Senator. Gina Hinojosa hat nach Berichten der Texas Tribune Gouverneur Greg Abbott geschlagen, der Anfang des Jahres noch 105,7 Millionen Dollar in der Kasse hatte, Hinojosa weniger als eine Million. Auch die Ämter des Vizegouverneurs und des Rechnungsprüfers gehen an Demokraten. Es ist der erste demokratische Sieg bei einer landesweiten Wahl in Texas seit 1994.

Warum verpufft so viel Geld? Eine Antwort steckt im Kleingedruckten der US-Medienregulierung. Die Republikaner hätten Talarico bei der Fernsehwerbung im Hauptwahlkampf fast um das Doppelte übertroffen, berichtet die Texas Tribune. Trotzdem habe Talarico mehr Sendezeit gekauft. Ein Gesetz von 1971 entwertet Musks Dollar.

Der Grund ist die sogenannte Lowest Unit Charge. Seit dem Federal Election Campaign Act von 1971 müssen Fernseh- und Radiosender Kandidaten in den Wochen vor einer Wahl den niedrigsten Preis berechnen, den sie irgendeinem Werbekunden für vergleichbare Zeit gewähren. Dieses Privileg gilt für die Kampagne des Kandidaten selbst. Super-PACs wie der Senate Leadership Fund zahlen Marktpreise, und die steigen in einem umkämpften Rennen kurz vor dem Wahltag steil an.

Talarico war der erfolgreichste Spendensammler des Landes. Bis Anfang September hatte er 72 Millionen Dollar eingenommen, Paxton 16,8 Millionen. Talaricos Geld kam von vielen Einzelspendern in seine eigene Kampagnenkasse. Musks Geld floss an Organisationen, die ihr Werbeticket zum Höchstpreis lösen mussten. Ein Dollar von Kleinspendern kaufte am Ende mehr Fernsehminuten als ein Dollar vom reichsten Mann der Welt. Eine bemerkenswerte Erkenntnis: Das wirksamste Werkzeug gegen die Übermacht eines Milliardärs war keine Plattform und kein Algorithmus, sondern eine Preisregel aus der Zeit des Röhrenfernsehers.

Dazu kommt das Timing. Wegen des republikanischen Bruderkampfs um Cornyn und Paxton kam das Musk-Geld spät, als Talarico seine Wählerschaft längst definiert hatte. Talarico machte die Herkunft der Angriffe selbst zum Thema. Wer im Fernsehen einen Angriff auf ihn sehe, sehe wahrscheinlich Elon, sagte er sinngemäß auf seinen Kundgebungen.

Man sollte daraus keine Wende nach links lesen. Florida wählt mit Byron Donalds einen Republikaner zum Gouverneur, Tennessee mit Marsha Blackburn, Louisiana mit Julia Letlow eine Republikanerin in den Senat. In Alabama und Arkansas gewannen die Republikaner ihre Senatsrennen mit großem Abstand. Das republikanische Amerika existiert weiter.

Was sich verschoben hat, ist die Bereitschaft, einem Lager die ganze Macht zu überlassen. Mit der Senatsmehrheit können die Demokraten Kabinettsposten, Botschafter und Bundesrichter bis hinauf zum Supreme Court blockieren. Die Ausschüsse können Untersuchungen einleiten, Dokumente anfordern und Zeugen vorladen. Genau dafür haben die Gründerväter die Gewaltenteilung entworfen. Die Wähler haben das Instrument wieder scharf gestellt.

Bemerkenswert ist, wer in Texas dabei mitgeholfen hat. Neil Bush, Bruder des früheren Präsidenten George W. Bush, unterstützte Talarico ebenso wie ein früherer Großspender Paxtons. Talarico selbst trat nicht als Kulturkämpfer auf, sondern als Populist gegen Korruption, mit Bibel und Lehrerbiografie. Paxton wiederum inszenierte seine Schlusstour mit dem texanischen Revolutionsmotto Come and take it. Am Wahlabend gratulierte er seinem Gegner und versprach, für ihn zu beten. Auch das gehört zum Bild. Ein Verlierer, der seine Niederlage anerkennt, ist in den USA von 2026 keine Selbstverständlichkeit mehr.

MAGA hat einen Dämpfer bekommen, als Bewegung erledigt ist sie nicht. Der patriotische Ton bleibt, auch bei den Siegern. Die Demokraten haben in Texas nicht gegen das Land gewonnen, sondern mit seinen Symbolen. Wer daraus ableitet, Amerika habe sich vom Nationalstolz verabschiedet, liest die Karte falsch.

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Die Midterms 2026 erinnern an die Watergate-Wahl 1974. Im Senat fällt der demokratische Zugewinn sogar größer aus. Am deutlichsten zeigt Texas, dass Geld allein keine Wahl entscheidet. Elon Musk soll mehr als 200 Millionen Dollar für Ken Paxton ausgegeben haben, gewonnen hat James Talarico. Eine Preisregel von 1971 sorgte dafür, dass Talaricos Kleinspenden mehr Sendezeit kauften als Musks Super-PAC-Millionen. Eine Linkswende ist das nicht. Die Amerikaner haben sich für Kontrolle entschieden und für Politiker, die Niederlagen anerkennen. MAGA ist gedämpft, der Patriotismus bleibt.

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