
Australiens Verbot scheitet an findigen Teenagern
Social Media am Mittwoch. Drei Jugendliche auf einer Mauer, jeder mit dem Telefon in der Hand, und alle lachen über das, was der Bildschirm ihnen zeigt. Es ist ein alltägliches Bild, und es ist zugleich das Urteil über eine Politik, die genau diese Szene verhindern will.
Australien hat im Dezember als erstes Land der Welt soziale Medien für unter Sechzehnjährige verboten. Jetzt zieht die Aufsichtsbehörde eSafety Bilanz über die ersten Monate, und die fällt ernüchternd aus [ PDF ]. Mehr als acht von zehn Jugendlichen nutzten die Plattformen weiter, und die meisten Zehn- bis Fünfzehnjährigen bleiben unverändert online – wie zuvor. Der Anteil derer mit eigenen Konten sinkt nur von gut 52 auf 42 Prozent. Die Wege hinein ins soziale Netz sind so kreativ wie billig. Ein VPN, das Gesicht der Mutter für den Alterscheck, im Zweifel eine gedruckte Maske aus einem Onlineshop, mit der sich die Gesichtserkennung austricksen lässt. Das Verbot hat vor allem kreative Teenager hervorgebracht.
Genau dieses Modell schickt sich Europa an zu kopieren. Dänemark zieht die Grenze bei fünfzehn, Frankreich bei vierzehn, Großbritannien prüft sechzehn. In Deutschland will die CDU unter Vierzehnjährige aussperren und den Älteren nur einen Jugendmodus ohne personalisierte Feeds zugestehen, die SPD fordert Ähnliches. Brüssel hat eine eigene App zur Altersprüfung gestartet und arbeitet an einer einheitlichen Altersgrenze. Alle orientieren sich an einem Vorbild, das seine erste Prüfung sichtbar nicht bestanden hat.
Der Denkfehler steckt in der Frage selbst. Debattiert wird, wer durch die Tür darf, nicht, was hinter der Tür steht. Das Alter lässt sich in ein Gesetz schreiben, das Geschäftsmodell nicht so leicht. Der endlose Feed, die auf Verweildauer optimierte Empfehlung, die Gestaltung, die Aufmerksamkeit in Sucht verwandelt, all das bleibt unberührt, solange die Politik nur am Türschloss dreht. Man baut ein neues Schloss an die Tür und lässt das Fenster offen, und der Raum dahinter bleibt derselbe.
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Bezeichnend bleibt doch, dass Eltern weiter sind als Parteitage. In einer deutschen Umfrage wünschten sich zweiundvierzig Prozent altersgestufte Nutzungsmodelle, nur vierundzwanzig ein glattes Verbot. Die Intuition dahinter ist richtig. Es geht nicht darum, Kinder auszusperren, sondern den Raum zu ändern, in dem sie sich ohnehin bewegen.
Deshalb ist das Lachen auf der Mauer kein Triumph über eine überlistete Behörde. Es ist die Reaktion auf genau die Inhalte, die kein Alterscheck je berührt. Schutz, der an der Schwelle endet, ist kein Schutz.

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