
Der Trump Stamp für den digitalen Imperialismus von Donald Trump
Trump droht jedem Land mit 100 Prozent Strafzoll, das Big Tech besteuert. Das ist kein Handelsstreit — das ist die Stunde des offenen Tributs.
Numerous European Countries have been discussing the imminent implementation of a Digital Services Tax on American Companies. Some of these Countries are close to actually doing this. Please let this statement serve to represent that any Country that imposes such a Tax will immediately be met with a 100% TARIFF on any and all Goods sent to the United States of America. This TARIFF will supersede Trade Deals made with the Country, whether implemented, signed, or not. Additionally, the 100% TARIFF will be immediately imposed, if they proceed. Thank you for your attention to this matter. President DONALD J. TRUMP
[ @realDonaldTrump (26.6) ]
Dieser ZOLL wird Handelsabkommen außer Kraft setzen, ganz gleich, ob unterzeichnet oder nicht. Mit diesem Satz drohte Donald Trump am Freitag auf Truth Social jedem Land 100 Prozent Strafzoll an, das eine Digitalsteuer auf amerikanische Konzerne erhebt. Im Visier stehen Frankreich und Europa, wenige Tage vor der Juli-Frist, ab der ein mühsam ausgehandelter 15-Prozent-Deal greifen soll. Mögliche weitere Steuern, deren simpelste Definition lautet, dort zu besteuern, wo Wert entsteht, sollen teurer werden als jeder Vertrag.
Es ist kein Ausrutscher. Schon im August nannte Trump Digitalregulierung pauschal einen Angriff auf Amerika. Im Dezember drohte sein Handelsbeauftragter mit Gegenmaßnahmen gegen SAP, Spotify und Mistral. Der Digital Services Act gilt in dieser Erzählung als Zensur, Bußgelder gegen Google und Apple als Beutezug.
Mit der neuen Drohung schlägt digitaler Kolonialismus um in digitalen Imperialismus. Digitaler Kolonialismus ist der Status quo. Europa liefert den Rohstoff — Daten, Aufmerksamkeit, 264 Milliarden Euro jährlich — und bezieht die fertigen Plattformen zurück. 70 Prozent der Cloud, 70 Prozent der KI-Basismodelle, 92 Prozent der westlichen Daten. Jahrzehntelang nannten wir das nicht Abhängigkeit, sondern Fortschritt.
Im Moment aber, wo die USA der europäischen Peripherie mit Gewalt verbieten, sich selbst zu regieren, zeigt sich das amerikanische Imperium von seiner digitalen Seite. Steuern zu erheben ist der ursprünglichste Hoheitsakt überhaupt. Wer ihn per Zoll überschreibt, beansprucht ein Vetorecht über fremde Gesetze.
Europäische Empörung bringt niemanden weiter. Denn erstens ist für eine neue Trump-Tax nach dem Supreme-Court-Urteil vom Februar 2026 die Rechtsgrundlage sehr dünn. Europa sollte seine Linie halten. Zu Recht nennt EU-Wettbewerbskommissarin Ribera das Vorgehen Erpressung.
Zweitens sollte Europa zurückschlagen können, etwa über das Anti-Coercion-Instrument, das dort trifft, wo Amerika digital verwundbar ist.
Drittens und entscheidend wird es jedoch, die digitale Abhängigkeit von den USA abzubauen. Der Technological Sovereignty Plan, EuroStack, Mistral, Nextcloud — die Bausteine existieren. Was fehlt, ist der Wille, die Bequemlichkeit aufzugeben. Als Microsoft jüngst Daten niederländischer Regulierer ans US-Repräsentantenhaus übergab, wurde sichtbar, was der CLOUD Act bedeutet: Eine souveräne Etikette auf einer US-Cloud bleibt Euro-Washing.
< tl;dr />
Aus stillem digitalem Kolonialismus wird offener Imperialismus im Trump’schen Anspruch, Europas Regeln und Steuern per Zoll zu überschreiben. Europa darf sich davon nicht erpressen lassen. Wir müssen die eigene digitale Souveränität endlich ernst nehmen. Ein Digital Independence Day könnte helfen.

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