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Face ID

Gesichtserkennung wird zur Face ID. Vor sieben Jahren übernahm Apple die schwedische Firma Polar Rose mit einer Software für Gesichtserkennung. Ab November kann man damit sein iPhone X entsperren. Dabei ist vielen Anwendern immer noch unheimlich bei der Gesichtserkennung der Fotos-App auf dem Mac oder am iPhone. Jetzt wird das eigene Gesicht zum Schlüssel. Entsprechend behutsam führt Apple an das – bei Apple – neue Feature heran. Andere Spitzen-Smartphones verfügen ebenfalls über Gesichtserkennung. Das ist der Stand der Technik.

Sensoren im iPhone X für Face ID

Sensoren im iPhone X für Face ID

Punkt 1: Zuverlässigkeit
Ausgerechnet bei der ersten Präsentation von Apple Face ID durch Craig Federighi sah es aus als ob die Technik patzte. Federighi nahm ein iPhone X auf und das Gerät verlangte die Eingabe einer Pin, um Face ID wieder zu aktivieren. Der Apple-Manager setzte seine Präsentation mit einem Ersatzgerät fort, das sich ohne Probleme und wie erwartet entsperrte.
Technisch verhielt sich das erste iPhone X vollkommen korrekt. Denn auch Touch ID mit dem Fingerabdruckscanner im Home-Button schaltet sich nach einiger Zeit ab oder muss nach einem Neustart am Gerät wieder neu aktiviert werden.

Face ID

Ein Infrarot-Bild unterstützt die optische Erkennung.

Punkt 2: Sicherheit
Wie beim Touch-ID-Fingerabdruckscanner betont Apple, die Daten verbleiben auf dem Gerät:

We do not gather customer data when you enroll in Face ID, it stays on your device, we do not send it to the cloud for training data.
[ Craig Federighi, Apple ]

Eine Datenübertragung findet nicht statt. Dazu veröffentlich Apple ein Whitepaper namens Face ID Security [ PDF ]. Darin sind weitere Details zu Funktionsweise beschrieben.
Ein Tastendruck für zwei Sekunden und länger auf einen Lautstärke-Knopf und den Hauptschalter schaltet Face ID ab und der zuvor festgelegte Zugangscode muss eingegeben werden.

Face ID

30.000 Messpunkte erfasst ein Punkt-Laser-System

Face ID schaltet sich ab

  • nach jedem Neu-Start,
  • 48 Stunden nach dem letzten Entriegeln mit Face ID,
  • 156 Stunden nach der letzten Passcode-Eingaben, wenn das letzte Entsperren mit Face ID mehr als vier Stunden zurückliegt,
  • das Gerät entfernt gesperrt wurde (iPhone finden),
  • nach fünf erfolglosen Entsperr-Versuchen,
  • nach 2 Sekunden Tastendruck.

Punkt 3: Vertrauen
Face ID wird wie Touch ID funktionieren. Alle Apps, die Touch ID können, können – ohne Anpassung – sofort mit Face ID genutzt werden. Das ist eine Vertrauenssache. Face ID läuft dann auch mit dem in Deutschland noch nicht möglichen Apple Pay. Allerdings ist die Analogie: Bezahle mit Deinem Gesicht nicht ganz so glücklich gewählt.
Trotzdem ist es schon noch etwas anderes, sein Gesicht herzuhalten.

Face ID

Apple Face ID normalisiert und sensibilisiert für automatische Gesichterkennung

Punkt 4: Überwachung
iPhone X zeigt, wie leistungsfähig Gesichtserkennung sein kann, wenn eine Kamera über entsprechend fein auflösende Sensoren verfügt und auch mit Laser-Dot-Messung und Infrarot in Spektren jenseits der menschlichen Wahrnehmung messen.
Am Berliner Südkreuz läuft der Feldtest für verdachtslose Dauerüberwachung. Bereits zuvor habe ich darauf hingewiesen, dass man sich von der Romantik verabschieden muss, in der Überwachungszentrale säße ein Mensch am Monitor. Vielmehr wird der Computer die Erkennung vollumfänglich übernehmen, Bewegungsprofile erstellen und – bei gesicherten Zielen – entsprechend Alarm geben. Und erst dann muß ein Mensch im Einzelfall die maschinelle Entscheidung zum Eingriff überstimmen oder ihr einfach folgen.

Mit Gesichtserkennung entstehen Orwell’sche Horror-Szenarien, und zwar nicht nur in China:

lemonpixel.com: Die Bahn fotografiert Passanten am Bahnhof Südkreuz in Berlin.
psyarxiv.com/hv28a: Automatische Gesichtserkennung kann sexuelle Orientierung wie Homosexualität zuverlässiger erkennen als der Mensch.
Shanghai, China: Rot-Licht-Sünder werden automatisch erkannt und öffentlich bloßgestellt.
Jinan, China: Rot-Licht-Sünder werden automatisch erkannt und öffentlich bloßgestellt. Zusätzlich zahlen die Sünder 20 Yuan ( 2 Euro / 3 US-Dollar ) oder müssen 20 Minuten gemeinnützige Dienste leisten.
Qingdao, China: Festnahmen in China durch Gesichtserkennung.
sz.de: Kameras mit Gesichterkennung sollen Diebstahl von Toilettenpapier auf öffentlichen Toiletten eindämmen.
netzpolitik.org: Polizei durchsucht in der strafrechtlichen Aufarbeitung des G20-Gipfels in Hamburg zehntausende Dateien mit Gesichtserkennungssoftware.

Fast drei Monate nach den G20-Krawallen im Hamburger Schanzenviertel präsentiert die Polizei ihren ersten Fahndungserfolg im Fall der Plünderungen von Supermärkten und Geschäften: Bei der Durchsuchung von 16 Wohnungen und Läden in Hamburg und Schleswig-Holstein stellten die Beamten der Sonderkommission „Schwarzer Block“ am Mittwoch hochwertige Handys sicher.
[ ndr.de ]

Insgesamt führt die Hamburger Sonderkommission schon 2.000 Ermittlungsverfahren wegen aller Delikte während des G20-Gipfels – vom Steinwurf bis zur Brandstiftung. Polizei und Verfassungsschutz schätzen, dass in den drei Tagen vom 6. bis zum 8. Juli rund 5.000 Täter aktiv waren.
25.000 Einzelvideos, die entweder über ein Portal eingereicht wurden oder aus den Überwachungskameras in Bussen, Bahnen und Bahnhöfen stammen, werden teils automatisiert ausgewertet.
[ Video: Unbox Therapy ]

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