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Merz hat fertig

WM 2026 in den USA · Bild: Midjourney

Deutschland braucht einen neuen Kanzler. Einen, der es kann: eine Frau

Letzte Sonntagsfrage vor der WM 2026. Es gibt Trainer, die ihre Mannschaft ins Abseits laufen lassen. Und es gibt Friedrich Merz, der das Kunststück fertigbringt, sich selbst ins Abseits zu stellen — bei laufendem Spiel, ohne gegnerische Berührung, ganz aus eigener Kraft.

Deutschland: Wieder nach vorne!
[ CDU im Wahlkampf 2025 ]

Die Bilanz dieser Spielzeit liest sich wie ein Abstiegsprotokoll. International? Deutschland scheitert bei den Vereinten Nationen, das Team reist mit großer Geste an und kehrt mit leeren Händen zurück. Innenpolitisch? Die ersten Reformaufstellungen — Pflege hier, Rente dort — prallen ab wie Distanzschüsse an einer Betonmauer, nur dass die Mauer die eigene Fraktion ist. Und in den Umfragen zieht die AfD davon, während die Union dem eigenen Kanzler beim Verlieren zusieht. Das Lächeln, mit dem Merz früher jede Kritik wegmoderierte, friert inzwischen sichtbar ein.

Schauen wir, wie es bei der Konkurrenz läuft. Der Aufsteiger der Liga heißt Polen: Die Wirtschaft soll 2026 um rund 3,3 bis 3,5 Prozent wachsen, und mit einer Erwerbslosenquote von etwa 3,3 Prozent herrscht dort praktisch Vollbeschäftigung. Champions-League-Tempo, finanziert mit EU-Milliarden, neuem Großflughafen und Offshore-Windrädern. Während andere noch über die Aufstellung diskutieren, spielt Warschau längst nach vorne.

Frankreich, der ewige Mitfavorit, humpelt durch eine durchwachsene Saison: mageres Wachstum und eine Arbeitslosenquote von 7,7 Prozent — die halbe Ersatzbank verletzt, der Kader teuer, die Punkteausbeute dünn. England wiederum, nach dem ruinösen Transfer namens Brexit, kommt für 2026 auf eine heruntergestufte Wachstumsprognose von 1,1 Prozent und eine Arbeitslosigkeit von gut fünf Prozent — so hoch wie seit Ende 2020 nicht mehr. Ein Klub, der über seine Verhältnisse eingekauft hat und sich nun fragt, wo der Spielwitz geblieben ist.

Und Deutschland? Hier wird es bitter. Die Abwehr steht: Mit einer harmonisierten Arbeitslosenquote von 3,8 Prozent gehört die Bundesrepublik zu den stabilsten Defensivreihen des Kontinents (6,4 Prozent Arbeitslosenquote). Nur — vorne fällt nichts. Nach drei Rezessionsjahren in Folge, einem Novum seit über zwei Jahrzehnten, kratzen die Prognosen für 2026 je nach Institut zwischen 0,8 und 1,3 Prozent herum. Eine Mannschaft, die hinten kein Tor kassiert und vorne keines schießt, nennt man im Fußball chancenlos. Ein torloses Remis ist keine Strategie, es ist ein Dauerzustand.

Das Tragische am Trainer Merz ist nicht, dass er kein Konzept hätte. Er hat eines: zurück in die goldenen Neunziger, als Standortdebatten noch mit ernster Miene und Schulterklopfen gewonnen wurden. Nur spielt der Rest der Liga inzwischen ein anderes Spiel. Polen investiert, Merz mahnt. Die Konkurrenz baut Flughäfen und Windparks, der Kanzler baut rhetorische Brandmauern nach rechts und nach links, die vor allem die eigene Hälfte unbespielbar machen, weil sein Generalsekretär und die CSU die Pässe über rechts schlagen.

Auch der Sommer wird keine Rettung bringen. Vor zwanzig Jahren gab es ein Sommermärchen, das ein ganzes Land euphorisierte. 2026 findet die Fußball-WM in den USA statt — weit weg, in einer anderen Zeitzone, ohne Public-Viewing-Romantik vor der Haustür. Von dort dürfte kein Impuls herüberschwappen, der eine müde Regierungself trägt. Kein Heimvorteil, kein Stimmungshoch, nur die nüchterne Erkenntnis, dass man dem eigenen Trainer beim Verwalten der Stagnation zusieht.

Im Vereinsfußball wäre die Konsequenz längst klar. Wenn die Mannschaft nicht mehr für den Trainer läuft, das Publikum pfeift und die Tabelle nach unten zeigt, wird nicht der Kader ausgetauscht — sondern die Bank. Friedrich Merz hat sich, ganz ohne fremdes Zutun, in genau jene Position manövriert, aus der es im Fußball nur einen Ausweg gibt. Deutschland braucht einen neuen Kanzler. Merz hat fertig.

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