
Mit dem Börsengang von SpaceX baut Elon Musk seine digitale Infrastruktur weiter aus und bekommt noch mehr Macht
Sternthaler am Samstag. Vorgestern klingelte an der Nasdaq die größte Kasse der Börsengeschichte. SpaceX startet unter dem Kürzel SPCX, Ausgabepreis 135 Dollar, Bewertung 1.770.000.000.000 Dollar — einmal ausgeschrieben, damit man sieht, womit hier geblufft wird. Zum Handelsstart schoss die Aktie prompt um ein Viertel nach oben. Doch sich von der großen Zahl beeindrucken zu lassen, das schaffen alle. Interessanter ist, was man für sie bekommt: Macht.
Macht hat einen Schalter. 2022 weigerte sich Elon Musk, Starlink über der Krim freizuschalten, und ließ eine ukrainische Drohnenoperation ins Leere laufen. 2025 wurde der Netzzugang zum Faustpfand im Ringen um Kyjiws Rohstoffe. Das ist kein hypothetisches Risiko, sondern dokumentierte Praxis. Wer SPCX kauft, erwirbt einen Anteil an genau dieser Infrastruktur — einem Netz, das Lebensader und Waffe zugleich ist und dessen Aus-Knopf bei einem einzigen Mann liegt. Nach dem Börsengang hält Musk über 82 Prozent der Stimmrechte. Die neuen Aktionäre bekommen Dividendenhoffnung, nicht Kontrolle.
Diese Abhängigkeit ist längst in Deutschland angekommen. Seit März kooperiert ausgerechnet die Deutsche Telekom mit Starlink, um ihre letzten Funklöcher zu stopfen — 1,2 Prozent der Landesfläche, in denen bisher nicht einmal 2G lief. Ab 2028 soll Musks Konstellation das Überall-Netz liefern, sobald das terrestrische Signal abreißt. Während Wettbewerber wie Vodafone bewusst auf andere Satellitenpartner ausweichen, geht der Bonner Konzern — einst Inbegriff staatsnaher Infrastruktur — das Risiko bei Musk direkt ein und mietet seine Resilienz künftig im Orbit eines Mannes, der Schalter gern als Druckmittel begreift.
Und derselbe Mann führt einen offenen Feldzug gegen jene Institution, die ihn bändigen müsste. Musk beschimpft die EU als Zensurbehörde, während Brüssel gegen X ermittelt: 120 Millionen Euro Strafe Ende 2025, im Januar ein neues DSA-Verfahren, weil Grok auf Knopfdruck sexualisierte Deepfakes von Frauen und sogar Minderjährigen erzeugte. Seit der Fusion von xAI und SpaceX im Februar fährt genau dieser Grok im Börsengang mit — wer SPCX zeichnet, besitzt jetzt auch die Deepfake-Maschine. Parallel hat Musk X vom Kurznachrichtendienst zum Lautsprecher der Rechten umgebaut, inklusive offener Wahlkampfhilfe für die AfD.
Das ist der eigentliche Börsengang. Nicht eine Rakete bekommt einen Preis, sondern ein privates Machtkonglomerat bekommt frisches Kapital — rund 75 Milliarden Dollar Kriegskasse — und streut sein Risiko in Pensionsfonds und ETF-Sparpläne, in die SPCX über die Indizes bald automatisch rutscht. Ob man will oder nicht, hält man dann ein Stück davon.
Die große Zahl ist schnell verdaut. Die Frage, wem man gerade den Schalter über Kriege, Netze und Diskurse finanziert hat, wird uns noch länger beschäftigen.

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