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Watch: Zukunft oder Schnickschnack?

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Preisfragen, oder wie spät ist es im Uhrengeschäft. Eine Armband-Uhr für 18.000 Euro ist eine Provokation. Die „teuerste“ Apple Watch ist die 38mm Watch Edition Rose Gold mit einer zweiteiligen Schließe am Lederarmband. Sie kostet 18.000 Euro. Doch ob diese Uhr ein Erfolg wird, liegt nicht am Preis, sondern daran, wie viele Käufer sie findet. Es gibt einen Markt – einen Markt für teure Güter. Denn wenn Kapitalismus rational wäre, dann gäbe es keine Golduhren, keinen Aston Martin Vulcan und auch keine käufliche Liebe.

Eure Armut kotzt mich an. [ Sprichwort ]

rolex-oyster Ein unglaublich präziser Zeitmesser: Ob Apple Watch ein Erfolg wird, entscheiden nicht diejenigen, die sich über den Preis aufregen, sondern die, die das Produkt kaufen.

Ich bin mir sicher, dass man mir zustimmen kann, wenn ich sage: Auch wenn Apple jetzt Armbanduhren verkauft, so befindet sich Apple noch lange nicht im Uhrengeschäft. Dafür sind die Produkte zu unterschiedlich. Eine mechanische Rolex scheint für die Ewigkeit gebaut. Man kann sie jahrelang liegen lassen, einmal schütteln und sie geht wieder. Die Elektronik der Apple Watch ist jetzt schon überholt und in nicht einmal zehn Jahren wird es kaum noch ein Gerät geben, das eine Verbindung zum ersten Modell von 2015 herstellen kann. Mal davon abgesehen, dass in zehn Jahren die Akkus in der Uhr den chemischen Tod gestorben sein dürften und sich nicht mehr regen werden.

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Die Preisgestaltung folgt bei Apple eingespielten Regeln, die – Stichwort: 16 Gigabyte Gold oder 18 Karat Gold – darauf abzielen, den Kunden zu höheren Ausgaben zu bewegen. Das nennt sich Upselling. Preislich entspricht Apple Watch dem iPhone 6. Das Sport-Modell aus Alu entspricht dem iPhone 5c aus Kunststoff. Man kann sportliche 400 Euro dafür ausgeben oder 700 in poliertem Stahl, von dem 38 mm Edelstahl-Modell für 649 Euro einmal abgesehen.

Innerhalb der 20 Edelstahl-Modelle von Apple Watch geht es bei 649 Euro los und endet beim schwarzen Edelstahl-Modell beim grob überschlagenen doppelten Preis von 1249 Euro für 42 mm Edelstahlgehäuse, Space Black, mit Gliederarmband in schwarz. Wir sehen also bei der Uhr eine vergleichbare Preisspanne wie beim iPhone in einem Bereich von 400 Euro ( iPhone 5c, 4-Zoll, 8 Gigabyte ) bis 1000 Euro ( iPhone 6 Plus, 5,5-Zoll, 128 Gigabyte ).

I’ve been wanting to do this since I was 5 years old, the day is finally here.
[ Tim Cook über die Möglichkeit, Anrufe an einer Armbanduhr anzunehmen ]

Neue Arten, in Kontakt zu bleiben: Die Frage lautet vielmehr, ob man Apple noch einmal den Gegenwert vom iPhone übereignet, um am Handgelenk über eingehende Telefonate benachrichtigt zu werden? Möchte man das? Das ist eine persönliche Entscheidung. Ich habe die vergangenen Monate versucht, mich wieder an eine Armbanduhr zu gewöhnen, und zwar mit Pebble, die vergleichbare Funktionen und eine Akku-Laufzeit von einer Woche liefert. Ich muss sagen, der Nutzen einer weiteren Anzeigefläche für das Smartphone ist begrenzt. Aber das muss man sehen und selbst ausprobieren. Dazu wird es ab April in den Apple Stores Gelegenheit geben – auch wenn man einen Termin reservieren muss und wahrscheinlich anfänglich lange warten muss.

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Fitness, intelligent betrachtet: Als Fitnesstracker erhebt Apple Watch kontinuierlich Daten, die Rückschlüsse auf die körperliche Aktivität zulassen. Dazu gehören die Bewegung und die Intensität der Bewegung. Die Activity-App zeigt die tägliche Aktivität in einer einfachen, aussagekräftigen Animation. Und zwar wählt Apple Ringe, die man vergleichbar vom Misfit Shine oder von Nike-Plus-Coach kennt. Grafisch ist die Aktivität auch in verkleinerter Ansicht oder in farbreduzierter Darstellung auf einen Blick erfassbar. Bei stärkeren Aktivitäten aktiviert sich der Herzsensor. Zusätzlich fordert die Uhr beim iPhone weitere GPS-Daten und W-LAN an. Als reine Sportuhr wird die Apple Watch demnach nicht ohne ein begleitendes und kompatibles iPhone einsetzbar sein. Wenn man aber seine Lieblingsmusik auf der Uhr speichert und diese mit zum Workout ins Fitness-Studio nimmt, dann wird Apple Watch zu mehr Sport begeistern können.

Noch ein Hobby bei Apple. Zusammengefasst sehe ich in der Apple-Watch nicht die Zukunft von Apple. Dazu ist sie (noch) zu viel Schnickschnack. Ein weiteres Gerät, das als digitales Tamagotchi jeden Tag an die Ladestation möchte. Auf dem Standpunkt „Braucht kein Mensch“ stehe ich nicht. Ich teile auch nicht die Ansicht, Apple setze alles auf eine Uhr. Vom Watch-Erfolg hängt nicht die Zukunft von Apple ab. Dazu sind iPhone, iPad und Mac-Sparte zu groß. Ich sehe in der Apple-Uhr ein weiteres Hobby von Apple – wie Apple TV. Davon hat Apple heimlich 25 Millionen Stück verkauft. Im letzten Jahr verkaufte Apple 192 Millionen iPhone-Geräte. Wenn sich nur jeder zehnte iPhone-Kunde in den nächsten zwölf Monaten die Uhr holt, dann wäre die Uhr schon eine Sensation.

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  1. Kultur und Uhr | Matthias Parthesius - 13. März 2015

    […] 10 Cent zur Apple Watch bei htub.de/p=22183 und den weiteren Apple-Neuigkeiten der […]

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