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Digitale Doppelgänger

keep-calm-and-like-us-on-facebook-242 #fuckingfriday bei Facebook. Am Ende der Woche mit einem Freitag, den 13., wird klar, dass Mark Zuckerberg und sein Facebook keine gute Woche hatten. Außer vielleicht bei denen, die sein Internet-Foren-Billboard-Bulletin-System auf der Basis von PHP mit einigen eigenen Anpassungen für innovativ halten.

EU-Justizkommissarin Věra Jourová fordert jetzt Facebook auf, in der Datenaffäre vollständig mit EU-Ermittlern zusammenzuarbeiten. Sie erwarte dafür, dass Konzernchef Zuckerberg persönlich bei der EU aussage. Dazu hatte Jourová mit Sheryl Sandberg, der Geschäftsführerin von Facebook, telefoniert.

Ich habe ihr empfohlen, dass Herr Zuckerberg die Einladung des Europäischen Parlaments annehmen soll. Selbstverständlich haben wir die Debatte im US-Kongress verfolgt, aber ich fand die Fragen ziemlich amerikanisch, wir haben unsere eigenen, europäischen Fragen an ihn.
[ Věra Jourová, EU-Justizkommissarin und Verbraucherschutzkommissarin ]

Vera Jourova sprach eine halbe Stunde mit Sheryl Sandberg [ tagesschau.de ].

Im Datenskandal steht Facebook unter Druck. Dazu kommt, dass Medien und Politik und auch die Nutzer bei Facebook und auch Facebook selbst unterschiedliche Definitionen von Daten, Privatsphäre und Datenschutz verwenden. Im täglichen Massenmedienmassaker müssen die Daten missbraucht worden sein, illegal und für Anzeigen. Je schlimmer, desto besser. Dabei wurde Facebook einfach nur benutzt von Cambridge Analytica und konnte eventuell Donald Trump zum Wahlsieg verhelfen, indem Fake News und Wahlwerbung und Hatespeech russischer Internet-Trolle in die Zielgruppen gepumpt wurden.

Mark Zuckerberg: Wir verkaufen Anzeigen Zuckerberg sieht immer noch aus wie jemand, der vorgibt nicht zu verstehen, was man ihm vorwirft. Er hat doch nur die Mädchen auf seiner High-School nach hotness bewerten wollen und verhalf damit dem mächtigsten Land auf der Welt zu einer faschistischen Regierung einer kleptokratischen Familie. Undankbar wie der ist, twittert der lieber.
Für ihr faschistoides Programm benutzt die US-Regierung ihr Facebook auf faschistoide Weise. Die Abteilung Immigration and Customs Enforcement (ICE) vom U.S. Department of Homeland Security (DHS) nutzt Daten von Facebook, um illegale Einwanderer in den USA aufzuspüren und bis zur Abschiebung festzusetzen.
Innenbehörden und Geheimdienste haben umfangreichen Zugriff auf die Daten von Facebook – das wissen wir seit dem längst beendeten NSA-Skandal.

Unsere Datenhoheit

Doch zurück zu unseren digitalen Doppelgängern und dem Umgang mit unseren Daten. Das ganze Konzept der Datenhoheit kann gar nicht funktionieren, wenn eingegebene Informationen mit weiteren Daten angereichert werden. Das läuft automatisch. Einiges muss auch gespeichert werden, damit unsere Daten strukturiert und geschützt bleiben.

Bei einer Anmeldung auf einer Webseite wie Facebook speichert Facebook einige Metadaten, die automatisch erfasst werden. Das können sein: Betriebssystem, Browser, Schriften im System (Browserfingerprinting), IP, Geo-Location. Facebook weiß, dass Du es bei der Arbeit benutzt, bevor Dein Arbeitgeber es erfährt …
Mit der App auf dem Smartphone gibt es immer wieder Überraschungen. Kopierte Telefonbücher regen schon niemanden mehr auf. Jetzt sind es Metadaten aus allen Telefonaten und alle SMS, die die Facebook-App auf Android ernten kann. Mit diesen Daten kann man schon einiges anfangen.
Facebook weiß, dass Deine Freundin schwanger ist, bevor es ihr Freund oder ihre Mutter weiß …
Und dann gibt es noch die sogenannten Schattenprofile, die Facebook anlegt. Basis sind die ausgelesenen Telefonbücher: Namen, Nummern, E-Mail-Adressen. Wenn Du schlau sein willst und nur Whatsapp und Instagram benutzt – aber nicht Facebook. Dann kennt Dich Facebook trotzdem und trackt Dich über Deine Geräte (Handy, PC, Job, iPad). Oder weißt Du ganz genau, dass keiner Deiner Freunde sein Telefonbuch nicht an Facebook übertragen hat?
Und dann gibt es viele Webseiten, die den Like-Button von Facebook oder einfach auch nur ein unsichtbares Zählpixel nutzen. Und dafür gibt es auch ein Cookie von Facebook. Am Computer kann man sich noch wehren – etwa mit dem Facebook Container von Mozilla oder der Browser-Erweiterung Ghostery, was vieles an Tracking abschalten kann.
Im Browser auf dem Smartphone – und das nutzen inzwischen die meisten die meiste Zeit – stehst Du dann wieder blank und nackig dar. So nackt, dass Facebook das Bild davon löschen würde. Würde, wenn Facebook denn irgendetwas jemals löschen würde.

facebook-gewalt-nippel Facebook löscht nichts. Und wenn man etwas bei Facebook löscht, dann speichert Facebook, wann es gelöscht wurde – mit all den Meta-Daten, die halt so anfallen. Facebook löscht nichts, denn Facebook hat eine größere Festplatte als Dein PC und mehr Speicher als Dein iPhone.
Wenn man einen Status schreibt und ihn dann doch nicht veröffentlicht, dann speichert Facebook trotzdem, was dort stand. Die unveröffentlichten Dinge werden sogar analysiert, denn es könnte ja sein, dass es an Facebook liegt, dass man sich selbst zurückgehalten hat. Das möchte Facebook nicht.
Facebook weiß, wen Du liebst und was Du hasst. Sogar, wenn Du es nicht veröffentlichst.
Und wenn Du jetzt Mark Zuckerberg Deine Facebook-Freundschaft kündigst, dann weiß Facebook trotzdem mehr als Du. Facebook weiß, wie lang diese Freundschaft gehalten hat.
Und wenn Du meinst, Dich erstmal eine Weile nicht anmelden zu wollen bei Facebook, dann weiß Facebook auch das. Denn das Tracking und das Sammeln von Daten für Dein Schattenprofil geht weiter.

Je mehr man eintaucht in das Thema desto ohnmächtiger wird man. Das Konzept von Datenschutz und Datenhoheit, bei dem man seine Daten zurückbekommt, funktioniert nicht. Nicht einmal, wenn unsere Politiker jetzt die Offenlegung der Algorithmen fordern, mit denen Facebook den Newsfeed füllt, Hatespeech erkennt und Bilder von nacktem Menschen ausblendet.

Digitale Doppelgänger

Ohne entschuldigen zu wollen, was Facebook macht – wie sie es machen, ist ja nicht verkehrt. Sie tracken weiter, wenn man abgemeldet ist. Sie nutzen mehrere Datenquellen und sie nutzen alles, was sie gezeigt bekommen.
Unser digitaler Doppelgänger ist ja nur einer von mehreren:

  • Facebook weiß, was wir mögen
  • Google weiß, was wir suchen
  • Amazon weiß, was wir kaufen
  • Apple kennt unsere Apps

Digitale Doppelgänger von uns gibt es auch bei vermeintlich analogen Firmen. Bei der Bank entscheidet zum Beispiel ein Algorithmus nicht nur darüber, ob wir einen Kredit bekommen, sondern – viel wichtiger… zu welchem Zinssatz und damit darüber, wie teuer das geliehene Geld wird. Das alles getreu dem bewährten Grundsatz: Poor pay more.
Das gilt auch für die Schufa, deren Algorithmus jetzt mit den Möglichkeiten von Big Data bei OpenSCHUFA entzaubert werden soll.

Denn letzlich sind es unsere Daten …
… und es sind die armen Schweine, die mehr bezahlen, selbst wenn Mark Zuckerberg jetzt als digitale Obersau durch die digitalen Dörfer in Blogisthan getrieben wird.

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2 Antworten auf Digitale Doppelgänger

  1. Matthias 18. April 2018 bei 13:33 #

    Verint und Terrogence sind zwei Firmen, die bei Facebook, LinkedIn, YouTube und archive.org Bilder gesammelt haben für eine große Gesichtserkennungsdatenbank. Auftraggeber: NSA, US-Navy und andere Dienste.
    http://j.mp/2HcR1d6

  2. Matthias 20. April 2018 bei 13:34 #

    Content Moderatoren sichten für Facebook Inhalte und halten sich dabei an eine Liste, die von Behörden der USA erstellt wurden. Die USA definieren für die Facebook-Community, was als Terror gilt und wer ein Freiheitskämpfer ist.
    http://j.mp/2vvg9Xh

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